Schon lange her, dass ich selbst geschrieben habe. Nicht nur andere Arbeiten gesehen, kontrolliert, bewertet und veröffentlicht, so richtig selber schreiben.

Ich habe ein soziales Umfeld, wie fast jeder andere in dieser Gesellschaft auch. In meinem Fall ist es (noch) die Klasse. Die, die meine vorherigen Beiträge gelesen haben, werden wohl wissen, dass es für mich eine außerordentliche Aufgabe darstellt, mich in einen Kreis zu integrieren, deren Ideologie sich mit meiner fast komplett kreuzt. Oft genug habe ich mich gefragt, warum ich mir das antue, aber es erleichtert das unvermeidbare Zusammenleben und Zusammenarbeiten ungemein.
Zudem hasse ich das Gefühl, unverstanden zu sein, das Gefühl, dass ich mit meinen Gedanken, meiner Weltanschauung, alleine auf der Welt bin. Dass es keine Sympathie für mich gibt.

Es ist nicht schwer, herauszufinden, was ich wem sagen muss, damit er/sie mich sympathisch findet und glaubt, dass ich genau auf einer Wellenlänge mit ihm/ihr bin. Aber umgekehrt, dass das funktioniert, wenn ich das sage, was ich wirklich denke, funktioniert nicht, oder scheint zumindest so. Jedoch bringt es genauso wenig, in Selbstmitleid zu baden.

Ich habe es durchaus vollbracht, in dieser Gemeinschaft einen Platz zu finden, einen Status, dazu einen, der mich für ca. die Hälfte der Klasse wenigstens oberflächlich unersetzlich gemacht hat – ich bin die, die alles weiß und auch hilft. Mein Verhalten wurde als seltsam betrachtet, da ich mit 14+ keinerlei Bedürfnis hatte, mich am Wochenende zu mieserabler Musik volllaufen zu lassen, aber meine guten Noten bestätigten meinen Ruf und die guten Ergebnisse ihrerseits ließen mich als Gesellschaftsmitglied zu.

Jetzt, in der Abschlussklasse, sinken meine Noten ins gute Mittelmaß, was für jeden Anderen wahrscheinlich kein großer Verlust wäre. Für mich – wo ich mich doch durch den schulischen Erfolg, die guten Noten, als Gesellschaftsmitglied identifizieren konnte, ist es praktisch die Versenkung ins Nichts.

Natürlich hat sich in der Zeit von der ersten zur jetzigen Klasse noch einiges Anderes angesammelt, mit dem ich identifiziert werde – aber der Hauptpunkt ist mir wie der Boden unter den Füßen weggerissen worden. Mittlerweile bin ich auch „groß“ genug, um die soziale Interaktion mit Gehirntoten so weit es geht abzulehnen. Aber es geht nicht vollständig. Es geht nicht einmal halb. Es fangt an beim Projektteam. Partnerarbeiten. Videodreh. Zeitungsredaktion. In der durchschnittlichen Gesellschaft bin ich alleine.

Und das muss ich wohl oder übel akzeptieren.

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