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Letzten Monat absolvierte ich ein Praktikum bei der Bank. Angenehmer Chef, angenehmes Umfeld, Aufgaben, die mich zwar forderten, aber zu bewältigen waren, wenn ich bloß meinen Kopf, Konzentration und Disziplin einsetzte. 

Die erste Frage, jedes Mal, wenn ich jemanden Neuen kennenlernte: „Gehst du noch zur Schule? Was willst du danach machen?“ Da ich doch schon relativ konkrete Pläne habe (was meinen Chef absolut bewunderte: „Also ich wusste mit 18 nullkommgarnix, was ich machen wollte“), sagte ich dies auch. Die meisten wollten dann einen Termin bei mir als Psychologin (korr.: Psychotherapeutin) vorbuchen. Und auf einen Rabatt hoffen. Ich erklärte nicht jedes Mal von Neuem, dass ich nicht Psychotherapeutin sondern Kriminalpsychologe werden wollte, die Meisten schienen nach „Psychologiestudium“ abzuschalten. Was auch irgendwie okey war.
Was nicht okey war:Eine Mitarbeiterin – aushilfsweise, schwanger, nur vormittags, zwei Tage die Woche anwesend – musste jeden Satz von mir kommentieren. Die Kommentare beschränkten sich zumeist auf: „Das war jetzt geschickt.“ oder „Das war psychologisch gesehen nicht geschickt.“ Mein Kommentar darauf: „Ach halt die Fresse, bitte, ich hab das Studium noch nicht einmal begonnen und kein Psychologe der Welt denkt sich bei jedem einzelnen Satz was dabei.“ Naja, in Gedanken zumindest. Real gesehen habe ich ihr geduldig zugehört, warum sie meinte, dass es nicht geschickt oder eben doch geschickt war, was ich gesagt hatte. Nach einer Weile sagte ich in ihrer Anwesenheit gar nichts mehr. Blöde Kuh.

Zu diesem Interessensfeld meinerseits stand dafür der Chef ganz cool: Er fühlte sich momentan mit seiner privaten und beruflichen Situation etwas überfordert und wollte direkt eine Stunde bei mir buchen. So, als Psychotherapeutin. Am Besten gemeinsam mit seinem Lehrling, Gruppenstunden würden ja weniger kosten. Außerdem bekämen sie bei mir sowieso Rabatt. Oder wenigstens sollte ich zwei Damen aus einer anderen Filiale therapieren: Hassen sich aufs Blut, sind aber schon alleine „krank“ genug. Beide hätten einen ziemlich heftigen Schaden – ob ich mich nicht mit ihnen mal zusammensetzen wolle. Die Frage dazu war, ob ich auch einen Zweitberuf im Sinn hätte. Nachdem ich mit diesen beiden Damen geredet hätte, würde ich den vorziehen wollen. Ganz bestimmt.

Es gab auch Mitarbeiter in meinem Alter. Mit denen war es ganz unterhaltsam. Das lag einerseits am Wechselspiel der beiden und an einer gemeinsamen Aktion andererseits. Die Filialen im ganzen Verwaltungsbereich stehen in regem Kontakt – es gibt untereinander auch private Freundschaften. Nun ist der Chef dieser Filiale eine rege Plaudertasche. Er stellte spaßeshalber die Vermutung auf, dass die beiden anderen in meinem Alter ein Verhältnis hätten. Was natürlich nicht stimmte. Bei einem gemeinsamen Mittagessen jedoch kam uns die Idee, es ihn übers Kreuz zu legen und ihm genau das vorzuspielen. Das heißt: Ich mache „heimlich“ Fotos mit meinem Handy, wo die beiden eindeutig zusammen zu sehen sind. Dazu lassen sich beide auf dem Raucherplatz vom Chef „erwischen“. Danach komme ich und frage ihn so nebenbei, ob ich was nicht geschnallt hätte und die beiden zusammen wären – beim Mittagessen hätte es so Anzeichen gegeben. Damit war der Chef erstens ein wenig überfordert und zweitens hatte er es geschluckt. Ganz. Am nächsten Morgen wusste bereits die nächstgelegene Filiale davon, dass es hier ein internes Verhältnis gab. Im Verlaufe des Tages kamen noch zwei hinzu, die davon erfuhren. Der Chef bat mich, ihm die Bilder, die ich gemacht hatte, zu schicken, was ich auch nach gespieltem Zögern tat – schließlich gehörte das alles zum Plan. Am nächsten Montag (Aktion startete Mittwoch) wussten so ziemlich alle davon.
Das wirklich witzige daran: Der Donnerstag davor war ich mit ihm (von den beiden Mitarbeitern in meinem Alter) etwas trinken. Etwas zu viel trinken. Wir landeten dann auf der Toilette, waren aber viel zu betrunken (es war ca. 18.00h), um etwas ernsthaftes anzufangen. Davon wissen aber bloß wir beide. Und ein Freund, denn ich noch danach getroffen hatte, nachdem ich ihn zwei Monate nicht mehr gesehen hatte.

So ansonsten war aber eigentlich alles ziemlich ruhig – naja, abgesehen von der Kündigung, von dem Typ, der dauernd in Schischuhen rumlief, dem stillen Streit zwischen den Haupt-Mitarbeitern, der Unorganisiertheit, der Disziplinlosigkeit… naja. Ich darf aber nicht schimpfen – das erste Mal, dass ich richtig Arbeitete und es war fantastisch. Die Leute waren etwas verrückt – nicht verrückter als ich, aber auch nicht ganz „normal“, was ich ziemlich positiv finde – aber nett und hilfsbereit, freundlich und cool. Ich hatte einen schönen Monat.

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