Kennst du den Film „Anastasia“? Seltsamerweise nicht aus dem Hause Disney, aber dennoch ein ähnlicher Stil. Mit viel Musik, Liebe, Versuchen einer Intrige, Familiendramatik, süßes Helferlein eines Bösewichts…. praktisch alles dabei. Falls nicht, hier kurz die Storyline: Anastasia, die Prinzessin des russischen Zarenhauses, geht während der Oktoberrevolution verloren und während der Zar und seine Familie getötet wurde, wächst sie ohne Gedächtnis in einem Waisenhaus mit dem Namen „Anya“ auf. Sie hat bloß ein Kette ihrer Großmutter als Hinweis auf ihre Vergangenheit. Anya wächst heran und mit ihrem 18. Geburtstag wird sie in die Welt geworfen. Per Zufall geht sie nach St. Petersburg, wo die Gerüchte, dass die Prinzessin Anastasia überlebt habe, weit verbreitet sind. Da die Großmutter, die in Paris lebt, einen hochdotierten Finderlohn auf Anastasia ausgeschrieben hat, gibt es Schwindler, die Schauspielerinnen dafür engagieren und einer von diesen – Dimitri – findet Anya, die Anastasia zum Verwechseln ähnlich sieht ( 😉 ), und nimmt sie nach Paris mit. Stückweise erinnert sie sich an ihr früheres Leben, findet trotz Hürden zu ihrer Großmutter, kommt mit Dimitri zusammen und freut sich auf ein glückliches Leben.

Nun, manchmal komme ich mir vor wie Anya, der noch nicht gesagt wurde, dass sie eigentlich Anastasia ist. Oder besser – wie Anastasia, die noch im Stadium der Anya gefangen ist. Woher weiß ich nicht, aber ich bin der höflichen Manieren und Sprache bewusst, der Umgangsformen und Gewohnheiten. Bloß, dass ich nie in den Hochadel gehörte. Ich weiß, dass ich das Potential hätte, genauso denke, handle und spreche. Aber das ist wohl ein Traum, der Traum bleiben wird. Immerhin werde ich in der nächsten Zeit 18 und eigentlich hätte ich – im Gegensatz zu Anya – kein Grund zur Klage. Wohlgenährt, Ausbildung, Warmes, Eigenes Zimmer – eben das für mich Gewöhnliche, aber für viele Ungewöhnliche. Dennoch fühle ich mich nicht wohl. Hoffend auf eine Zukunft, schwankend zwischen dem Hochadel und den einfachen Künstlern, denn beides ist meine Welt. Ich brauche keinen Luxus, kann damit aber umgehen. Die Umgangsformen beider Welten sind mir bewusst, sei es zwischen den armseligen Bettlern oder den Königen Europas, wenngleich ich mit beiden noch nie Kontakt hatte. Ich weiß es. Ich bin mir dessen so gewiss, und ich weiß dennoch nicht, woher diese Gewissheit kommt. Selbst im 19. Jahrhundert fände ich meine Existenz passender – egal wo ich hin gehöre – es ist überall, nur nicht hier, in die einfache, stupide und so erbärmlich selbstsichere und eingebildete westliche Gesellschaft. Überall, nur nicht hier hin. Im Herzen dieser Ignoranz fühle ich mich selbst Tag für Tag abstumpfen, während ich mich zwangsweise mit den simplen und absolut lächerlichen Problemen dieser Welt herumschlagen muss. Versteht doch! Versteht doch, dass ich nicht wie ihr bin. Nie sein will, es graut mir davon. Und wieder kommt die alte Klage – hätte ich doch einen Weggefährten. Doch den zu finden wird lange dauern – wenn nicht sogar ein Ding der Unmöglichkeit. Aber hat nicht selbst Robert in den Höhen des Eismeeres Einen gefunden, den er einen Freund nennen konnte? Dessen Leid er teilen konnte und dessen Unterstützung er sich gewiss sein konnte? Aber wo bleibt mein Frankenstein – ich sehe ihn nicht, obwohl ich mitten unter den Menschen bin.

Aber welchen Menschen? Würde ich einen passenden Gefährten finden, wäre ich in den adligeren Kreisen? Und – die Frage aller Fragen – wie käme ich dahin? Es ist eine Elite und diese Elite von mir zu überzeugen… ist doch noch viel eher ein Ding der Unmöglichkeit, oder etwa nicht?

Advertisements