Einer dieser leicht melancholischen Tage. Nicht zu schwer, aber auch nicht leicht.

Wo bist du, wenn ich dich brauche? Wo bin ich, wenn es dir nicht gut geht? Ich bin (d)eine Freundin. Aber bist du auch mein Freund? Du würdest jetzt sagen, ich solle reinen Tisch machen. Aber wenn ich es machen würde – wenn es dich betrifft – so würdest du dem doch wieder aus dem Weg gehen. Ach, das ist mir zu blöd. Ich schau mir lieber wieder eine der wenigen Filme, bei denen ich jedes Mal weine (You’ve got mail) an. Und denke daran, dass ich eigentlich von all den Leuten, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, mich mit denen zwischen 30 und 35 am Besten verstanden habe. Vor allem über die Musik. Und das Lesen. Und dennoch kein „Nerd“, wobei dieser Begriff heute eh schon wieder überflutend gebraucht wird. Ich überleg mit – Catherine Kelly und Joe Fox haben sich im Chatroom „Wir über 30“ kennengelernt. Ich google mal danach und muss schmunzeln, als die ersten Ergebnisse kommen: „Seniorenchat“ „Chat für ältere Leute ab 50“ „Pensionistenverein“, während noch der Soundtrack vom Film im Hintergrund läuft.

Werde ich je jemanden kennenlernen, der mich versteht und, gleichzeitig, mir gibt, was ich brauche? Was ist das überhaupt?
Sicher nicht wenig. Es ist…ein bisschen Liebe, jemand, der sich mit mir beschäftigt und auseinandersetzt. Jemand, der mich ganz fest im Arm hält, selbst wenn ich wütend bin, weil er ganz genau weiß, dass mich nichts schneller weich macht. Jemand, der mich aber auch auf Trab hält, und genauso  wie ich auf so Adrenalin-Zeugs steht. Jemand, mit dem ich über Musik reden kann, ihn einen  Idioten nennen darf, weil er tatsächlich davon überzeugt ist, dass die Beatles anspruchsvolle Musik machen, und er mich dann eine Blöde Kuh nennt und wir uns grinsend mit Kissen bewerfen und es mit einer Kitzelschlacht endet, weil er genau weiß, wo meine Schwachpunkte sind, und die voll ausnützt. Jemand, mit dem auch der Alltag nichts alltägliches ist – oder, mit dem der Alltag nicht langweilig ist.

Du bist…wundervoll, und es tut mir jedes Mal im Herzen weh, wenn du sagst, du wärst verloren. Du gäbst die Suche auf, dann dein perfektes Mädchen beschreibst und ich denke „Hallo, ich kenne jemanden, der genau auf die Beschreibung passt, und das wäre ich.“ Ich hab Bauchweh, weil die Musik so erdrückend schön ist und ich weinen möchte, weil du nach mir suchst, und du mich nie so sehen wirst, und ich nach jemanden suche, den ich vielleicht nie sehen werde. Manchmal bin ich viel mehr Ich wenn ich bei dir bin, als wenn ich … irgendwo bin. Und, obwohl du nicht bei mir bist, uns das Meer trennt, machst du mich manchmal glücklicher, als diejenigen, die direkt neben mir stehen. Aber du bist auch ruppig, ziemlich ignorant und ein verdammtes Arschloch. Ja. Das beschreibt das ziemlich gut sogar, ich bin deine Freundin, aber du bist nicht mein Freund. Du willst es nicht sein, aber gleichzeitig beteuerst du, dass du auf mich und meine Freundschaft angewiesen bist. Ich habe es satt, es saugt mich aus und ich kann nicht mehr. Ich habe noch andere Probleme, weil ich ein verdammter Soziopath bin, aber du.. du wüsstest eigentlich, wie es mir geht, was ich brauche, aber es hat nicht den Anschein, als ob ich dir irgendetwas bedeute. Also, mein Lieber, fick dich. Wenn du mich brauchst, du weißt, wo ich bin, und ja, ich bin wütend. Auch wenn ich in der Regel nicht lange oder beständig wütend auf dich sein kann – ich muss dich einfach ausschalten. Nicht nachfragen, was gerade bei dir los ist, nicht nachfragen, wie es dir geht. Wenn du willst – musst du dich melden. Mir reicht’s. Schluss. Ich habe noch andere Projekte, und auch wenn du mein langwierigstes und kompliziertestes Projekt bist – du darfst mich nicht aussaugen, meine ganze Energie rauben. Stell dich gefälligst hinten in der Schlange an. Bis dahin – adieu.

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