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Meine kleine Schwester klopft an der Tür.
„Was ist los?“ – „Ich kann nicht schlafen.“ – „Was ist denn?“ – „Naja, wenn ich das Fenster zu habe, dann ersticke ich, wenn ich das Fenster offen habe, höre ich das Gewitter so laut…“ – „Ach so, warte, ich komm mit.“ – „Danke.“

Wenn sich Menschen in Schubladen einteilen lassen, dann gibt es Morgenmuffel und Frühaufsteher oder Normale und Psychos oder Strenge und Lockere oder Singles und Pärchen. Oder Gewitterlieber und Angsterfüllte. Nicht verwunderlich – ein Gewitter ist etwas Mächtiges. Aber auch etwas Wunderbares, und so wie die Sonne der Freude ihren Segen gibt, der Mond die Geheimnisse und tiefsten Wünsche verwahrt – so ist das Gewitter ein Schutz des Menschen. Nicht des Oberflächlichen, sondern dem animalischem, dem Trieb, dem Natürlichen.

Gewitter sind… wunderbar und dramatisch, emotional und inspirierend, beruhigend und bestärkend, wunderschön und zerstörend, so vielfältig und einfach, magisch verzaubernd in eine Realität. Eine Realität, die nicht von Smartphones und Politikern dominiert wird, eine Realität, in der man sich nicht fragen muss, was ziehe ich an, demit es gut ankommt, sondern eine Realität, in der es um das nackte Überleben geht, das sein-oder-nicht-sein, so viel direkter, ehrlicher, tiefgründiger, verbunden mit der Erde, auf der wir stehen, spüren das Wasser, das auf uns prasselt, genießen den Luft, der uns fast umweht und spüren das Feuer, das in des Menschen Herzen brennt.

Es fordert Körper und Geist zugleich, verlangt Standhaftigkeit und Mut, Bescheidenheit und Devotion und gibt Leben, Funken, Energie – und nicht zuletzt zutiefst erotisch: Eine heiße Sommernacht im Platzregen und ein Gewitter in Nah oder Fern, der Körper, ob er will oder nicht, zuckt mit den Blitzen mit, wird energetisch, die Luft geladen, sucht nach Befreiung.

Es ist wie ein leidenschaftlicher Swing oder Tango: Man reduziert auf die Triebe, das Animalische, und es kommt etwas Formvollendetes heraus, dass langes Studieren nicht erbringen hätte können – so ehrlich, direkt und energetisch, das Herz klopft bis zum Hals und will nicht eher ruhen, als dass das Verlangen gesättigt wird.

So schließe ich mit dem Feuer, das brennt, jedes Mal wenn ein zuckend Blitz mich entzückt – und wünsche dasselbe.

 

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