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„Laura, wie findest du das?“ „Nein. Nein, sind sie nicht.“ „Und warum bitte?“ „Weil ich es sage.“  „Blöde Kuh, das ist keine Antwort.“ „Mir egal, Hauptsache, ich habe Recht.“ „Du Domina.“ „Wenn ich groß bin, werde ich Diktator. Wie Prinz Aladeen.“ „Klar. Fix. Mach zuerst mal Matura.“

Am Abend sitz ich am Fluss, der das Mondlicht wiederspiegelt. Was mach ich, wenn ich groß bin? Ich leg mich auf die Wiese, einige Grashalme sind feucht, was zur Stimmung passt. Eine beinahe klare Nacht, schwarz und unbeleuchtet. Nur der Mond steht da, reflektiert das Licht der Sonne auf eine ganz eigene Art und Weise und wirkt dabei, als ob er alle meine Sorgen verstehen würde. Alle meine Fragen beantworten könnte.

Nachdem ich mich mit Laura gestritten habe (sie wollte nicht glauben, dass eine Sonne strahlt und ein Mond scheint und ein Stern leuchtet), hatten wir Englisch und da haben wir einen seltsamen Lehrer. Ich selbst bin noch viel seltsamer, eine bekannte Psychotherapeutin meinte in einem Gespräch, ich sei eventuell schizoid. Keine Ahnung, ob’s stimmt, normal bin ich auf jeden Fall nicht. Dieser eine Englischlehrer fordert mich heraus, und zieht sich im selben Moment zurück. Und wenn ich nicht mitspiele, ist er beleidigt. Aber warum ich? Warum nervt er mich damit – Warum bin ich diejenige, unter all den Leuten, die gestört ist. Oder sich gestört fühlt?

Die Sterne über mir leuchten und der Mond scheint. Die Sonne strahlt vielleicht, aber ich sehe sie nicht. Warum bin ich eigentlich kein Stein, sondern ein Mensch geworden? Weil meine Masse aus Kohlenstoff-Verbindungen besteht. Aber – weshalb? Weshalb hat sich irgendeine höhere Macht, falls es die gibt, oder sonst wer, gedacht, es wäre eine gute Idee, mich auf die Welt zu setzen? Meinen Körper – Ok, ein wenig kaputt, nicht das beste Modell, aber ganz in Ordnung. Aber meine Seele/mein Geist? Zerbrochen, ohne Zukunft, jeder Tag ein neuer Kampf. Jeder Morgen eine Wiedergeburt, jeder Abend ein Tod, wie der Mond und der Mond ist ein Stein, mir geht es gleich wie einem Stein, obwohl ich lebendig bin und der Mond – naja, nicht.

Während ich daliege und innerlich zur Ruhe kehre – eine ewige Ruhe für eine Nacht – berührt der Mond die erste Bergspitze am fernen Horizont, er wird für heute auch bald sterben. Ist es das? Ein ewiges Leben und Sterben, Wiedergeburt und Sterben, ein Teufelskreis, der scheinbar mit der Geburt und dem Verfall des Körpers beginnt und endet. Also Leben um zu Leben und Leben um zu Sterben, sowie Sterben um zu Sterben und … wieder Leben? Abseits der konkreten Aufgabe – ich bin ja nicht der einzige Mensch – was machen wir soweit?

Nach dem Streit hab ich mich hinter der Zeitung versteckt, einige Nachrichten durchgelesen. Der dritte Weltkrieg droht, die Erde geht immer kaputter und Heidi Klum hat einen neuen Freund. Bäh, weg damit, so negativ bin ich nicht einmal, wenn ich vor der Buchhaltungsschularbeit sitze und wir einen Verlust von 45 Millionen Euro verzeichnen.

Also was machen wir soweit? Laut Medien zerstören wir uns selbst. Schritt für Schritt. Ander Menschen, unseren Lebensraum, uns selbst. Die Menschen kommen und die Menschen gehen. Ich komme und ich gehe. Irgendwann. Und das dazwischen – nun ja, hier lieg ich im Mondschein und denk darüber nach. Das Wasser im Fluss ist noch warm, spiegelt den Silberschein des Mondes wieder. Ich geh rein und das doch recht kühle Nass erfrischt, ich schließe die Augen und genieße. Ich weiß, ich soll das Beste daraus machen. Positiv denken. Den Streit beilegen. Also gut, es können auch Mondstrahlen. Ich nenn‘s Silberstrahlen, denn die Sonne ist golden und der Mond ist silbern. Diese Gedanken, ich als Mond, werden nie die goldenen Strahlen berühren. Ich habe noch immer keine Ahnung warum, Leben und so. Aber manchmal ist es schön. Dieses Lächeln ist das was bleibt, denn Silberstrahlen sind unsichtbar

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