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Es ist Sonntag, der 25.05.2014. Das Wetter ist herrlich und ich sollte definitiv raus gehen. Aber ich sitze hier vorm Computer.

Ich bin ein vernunftbegabtes, erwachsenes Wesen. Kultur und Politik sind wichtig, ich engagiere mich aber auch für Kunst und Wissenschaft. Rationalität steht an oberster Stelle in meiner Prioritätenliste. Oder kurz gesagt: Ich bin erledigt. Klar, ich lese gerne Arthur Conan Doyle, E.A. Poe, Hemingway, Tolstoi und mein erster Gedanke heute galt der EU-Parlamentswahl. Aber dann…

Zurzeit behandelt mein Mutter unseren Kater liebevoller, verständnisvoller und fürsorglicher wie mich. Zurzeit? – Wann nicht? Mein Vater war entsetzt, als ich mit einem 3er in der Schularbeit nach Hause gekommen bin (er hat zwar nur so gespielt, als wäre er entsetzt, aber ich konnte ihm die Enttäuschung vom Gesicht ablesen), hat aber mit sich selbst zu kämpfen, da das mit der Selbstständigkeit nicht so wirklich klappt. Mein Bruder – ach keine Ahnung, was der tut, treibt sich wahrscheinlich gerade im verdunkelten Zimmer in irgendwelchen Online-Spielwelten umher und meine Schwester fragt sich gerade, ob sie ihre Nägel in Knall-Pink oder Knall-Orange lackieren soll. (Anm.: Sie wird sich für Pink entscheiden, da sich Orange zu wenig von der Haut abhebt.) Bin also auf mich alleine gestellt.

Manchmal, da lasse ich mich von meiner kleinen Schwester zu einem dieser absolut überdrehten, kitschigen und abnormen Weiber-Filme überreden. Sowas wie „Clueless“ oder „Girl’s Club“. Absolut miserabel. Praktisch Pornos für Weiber. Ach was lüg ich, ich seh’s mir selbst an. In meinem Zimmer, verkrieche ich mich unter die Decke, damit ja niemand erfährt, dass ich manchmal so Zeugs anschaue. Schließlich bin ich gebildet, kultiviert und so’n scheiß. Das ganze Wissen hilft aber nichts gegen das alleine sein. Ich gehe oft schwimmen, dann gehe ich ins Schwimmbad, schwimme meine 40 Längen (meistens aber nur 20, sage dennoch es waren 40, wird mit der Zeit nicht zu anstrengend aber zu langweilig). Dann zieh ich mich wieder um und gehe, vielleicht liege ich davor noch ein bisschen in der Sonne. Dann kann ich immer sagen: Ich gehe ins Schwimmbad, um auch wirklich zu schwimmen. Da brauche ich auch kein Rudel dazu. Fakt ist: Ich hätte manchmal ganz gerne ein Rudel um mich. Ich wäre manchmal ganz gerne in Gesellschaft. Ich hätte manchmal ganz gerne jemanden an meiner Seite, auf den ich mich verlassen kann, der mich in den Arm nimmt. So von Zeit zu Zeit.

Nur ungern jage ich einem Traum nach, einen Traum, der real werden könnte, wäre es bloß nicht…. ja, was hindert mich eigentlich daran? Dass, das ich die nette Freundin bin. Wenn ich gefragt werde, erledige ich es. Scheiße, ich arbeite sogar sonntags. Die, die immer tröstet, auf die Verlass ist. Immer. Die, die nichts auf Emotionen hält, aber das ist ok so. Man akzeptiert und respektiert das. Die, die sagt, sie habe auch keine Zeit für einen Mann. Stimmt auch. Zu viel zu tun. Tue ich aber gern. Nur manchmal… will ich nicht meine Sorgen einer mehr oder weniger unbekannten Leserschaft anvertrauen, sondern alles einem Freund sagen können, der mir zuhört. Schwer zu finden, diese Figuren.

Oft bekomme ich zu hören, ich sei ganz schön eingebildet, fast schon arrogant. Aber das wäre wohl mein Künstler-Tick. Keiner weiß, denkt nicht mal im Traum daran, wie verdammt unsicher und einsam ich bin. Weil keiner an mich denkt. Was bringen mir Erfolge – wenn sie keine sind? (Info am Rande – dazu steh ich auch: Ich hab noch immer ein Album von Tokio-Hotel auf meinem MP3-Player. Ich mag die Stimme von Bill Kaulitz)

Schon gut, ich reiß mich wieder zusammen. Filme wie Fight-Club sind cool, schau ich auch gerne an, auch Forrest Gump und die Marvel-Filme mag ich auch. Ich will weg. Ungebunden und trotzdem sicher. Keine Verpflichtungen mehr. Einfach weg. In eine schöne, neue Welt.

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