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Es gibt viele Vorteile, bei den Eltern zu leben. „Hotel Mama“. Im geerdeten Familienbund, sozusagen. Der Nachteil, sehr lästig: „Computer-Verbot“. Oder in meinem Fall: Der Laptop weg. Leider ist diese vermaledeite Sperre noch nicht aufgehoben und – auch leider – teilweise begründet. Mein Verständnis ist da, meine Geduld nicht, und das „Vertrauen“ muss ich zeitaufwändig wieder zurückerlangen. So’n Scheiß.

Dann erzähle ich mal ein bisschen, was die letzen Tage los war:

1. Ich kam in Berührung mit einem mutierten (verkrüppelten) Bauchgrippe-Virus. Hurra.
2. Ich träume – von jemandem bestimmten und doch nur von einer Hülle. Oder sollte ich sagen, einer hüllenlosen Seele? So wie oft gefragt wird: „Wie schaut dein Traummann aus?“, so weiß ich ungefähr, wie der Herr sein sollte. Oder auch ganz komplett nicht. Leider sieht man das eher selten auf den ersten Blick. Leider. Die Träume sind schön – harmlos, bedeuten nichts, und doch alles. Ein flüchtiger Kuss da, eine Umarmung hier. Eine Begegnung mit jemandem, den ich schon seit vier Jahren kenne, und doch maximal vier Sätze pro Jahr mit ihm gewechselt habe. Aber die Begegnung – intensiv. Verwirrend. Nicht meine Gefühle (Die stehen so Kopf, ich hab’s zeitweise aufgegeben, sie sortieren zu wollen.), aber meine Einstellung zu ihm. Weil ich ein bisschen von ihm in mir sehe. Oder umgekehrt. Eine Begegnung am Busplatz – ein Gespräch, das genau eine Busfahrt lang dauert und bedeutsamer und tiefgreifender ist als manch Therapiestunde. (Nehm ich mal an, ich nehme (noch) keine.) Dann ein anderer, den ich zwar noch nicht so lange kenne, dafür umso besser. Und schon längere Gespräche geführt habe. (Da fällt mir ein, es gibt doch tatsächlich Leute, die gehen an den Hamburger Hafen um sich aufzuregen, dass es nach Fisch stinkt.) Naja, der Andere – il mio scrittorini – ein Visionär, der mich zu einer Idee angeregt hat. Im Traum nicht, das hat er wirklich gemacht. Im Traum… ja, im Traum hat er mich einfach nur (vor mir selbst) beschützt. Geschützt. Einfach da gewesen. Wie schön. Wie ein Bruder. Wie ein richtig nahestehender Bruder und ich weiß auch, wieso ich das geträumt habe: Ich liebe ihn (wie einen Bruder!). Und wünsche mir dasselbe zurück. Wäre schön. Könnte sein, dass es nicht so ist, könnte sein, dass es so ist, ich hab keine Ahnung. Und das beschäftigt mich unheimlich, sowieso weil mich die ganzen Andeutungen letzter Zeit, die ich sowieso nicht verstehe, zur Weißglut bringen. Hach, man könnte sagen, er bringt die Leidenschaft in mir zum Kochen. Könnte man. Tut man nicht, da ich bei ihm irgendwie immer ruhig bleibe – es fühlt sich manchmal wie ein großer, manchmal eben wie ein kleiner Bruder an. Ich will beschützt werden – und ich beschütze ich. Versuchs zumindest, leicht ist es nicht, aber auf jeden Fall einen Versuch wert. Oder mehrere Versuche wert. Was ich jetzt konkret geträumt habe? Ganz einfach. Konnte nicht schlafen. Bis etwa drei Uhr nachts – und dann hat sich Fantasie und Realität etwas vermischt. Habe (ab jetzt Traum) das Handy neben meinem Bett klingeln gehört. Denke mir so: Geiler Klingelton. Hoffe bloß, es ist ein begründeter Anruf. Il mio scrittorini so: Hey, steh grad in deiner Straße, könntest du mich bitte aufsammeln?. Ich denk mir: Haha, geil. Ok. Ich sag: Klar, warte n’Moment. Dann spähe ich kurz durch meine Vorhänge, ob er gerade vor meinem Haus oder in der Nähe ist. Nein. Ich zieh mir was für Draußen an und gehe die Straße lang, hab ihn auch bald gefunden. Wie auch anders. Zurück zuhause biete ich folgende Optionen an: Du hast zwei Möglichkeiten. Entweder springst du zu mir ins Bett – kriegst auch deine eigene Decke. Oder ich hol dir n’Schlafsack, aber dann musst du auf dem Boden liegen. Wir können gerne noch reden, aber ich leg mich wieder hin, ich verschlaf‘ dir schon nicht. Du hast dich für Ersteres entschieden. Und reden. Also liegen wir da, reden, meine Stimme ziemlich krächzend, weil müde. Irgendwann werden die Pausen immer länger. Und irgendwann schlafe ich ein. Am nächsten Morgen bin ich mir nicht sicher, ob das jetzt ein Traum war oder nicht. Also brabble ich Zeugs von wegen „scheiß realistische Träume“ und will weiterschlafen. Meine Sinne sind aber viel zu gespannt um NICHT mitzukriegen, dass du wach neben mir liegst. Ich denk mir: Verrückter Kerl. Aber es fühlt sich verdammt angenehm an, neben dir aufzuwachen, wohl wissend, dass der Rest der Familie nicht zuhause ist, also keinen Stress macht oder ohne anzuklopfen ins Zimmer rein kommt und die Situation missversteht – denn Eines weiß ich: Ich kann neben dir schlafen, und weiß, dass nichts passiert. Also murmle ich: Morgen, du Verrückter. Du antwortest: Morgen, kleine Hexe. JETZT, genau JETZT, springt das Herz voller Wohlwollen und Liebe und Freude wie ein Gummiball im Brustkorb umher. Genau JETZT. Und immer noch – so jetzt drehe ich mich um und lächle dir ins Gesicht, mit einer frechen Note. Du grinst zurück. Wir stehen irgendwann auf und frühstücken gemütlich. Schöner Morgen. Dann: Realität. Ich wache auf. Vorhänge sind noch zu, Wetter draußen eh scheiße, ich allein, mein Handy-Wecker klingelt. Na, wunderbar. Dazu realisiere ich, umso öfter ich an dich denke – was immer wirklich schön ist, umso weniger scheine ich in der Realität zu leben. Oder doch, aber umso eher ist mir die Realität überdrüssig, und ich weiß, wie gefährlich das sein kann. Man sagt ja immer Killer-Spiele. Videospiele als Teufelswerkzeug. Aber was WIRKLICH das Innere eines Menschen verändert, sind Bücher. Ich kann COD zocken (wenn ich wollte), kann Borderlands spielen, was auch immer. Viel Geschieße, und das macht mich nicht zum Killer oder Selbstmörder oder Attentäter. Aber meine Fantasiewelt – geboren und geformt durch Bücher, Bilder, Musik und Filme – ist das, was mich wirklich der Realität entschweben lässt, weils da für mich manchmal einfach schöner ist. Ich weiß, dass ich „vernünftig“ genug bin, um nichts Blödes zu machen. Aber manchmal…manchmal hat die Waage zwei Seiten, deshalb sei du wenigstens bitte ein Gewicht, dass mich in der Realität hält.

Kleiner Zusatz: Wir sprachen in der Klasse mal über’s Sterben. Ja, kommt jetzt vielleicht blöd, aber wir sind durchgegangen, wie wir sterben wollen. Und ich denke mir (wer’s nicht weiß, ich bin ganz gerne Adrenalinjunkie. Hab nicht oft die Gelegenheit, aber wenn, dann) – die für mich schönste Art zu sterben, wäre im Flug. Rausspringen, von ganz hoch, die Augen zu machen – und den Flug genießen. Aber nicht jetzt. Und nicht in den nächsten 80 Jahren, da hab ich noch Anderes vor. Also, ich hoffe, ich schaff’s n’paar Mal, das Verbot zu umgehen … so etwas Triviales und im Moment doch Gewichtiges – wie schön!

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