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Unter Künstlern und Kunstgenießern gibt es eine Gruppe von Leuten, die sich ziemlich spezifisch definieren lassen. Die Sprache ist gewählt und gut überlegt, die Kleidung auf jeden Fall passend, dunkel-schlicht oder grell-zerrottet. Man bleibt nur unter sich, jeder der neu dazu kommt hat sowieso keine Ahnung und hier nichts verloren, außer man kann Geld mit ihm verdienen. Man kennt die ganzen Klassiker, das neue Zeugs ist kein Vergleich und dazu hat jeder noch seinen Faible, in dem er sich hervorragend auskennt. Jeder, der sich nicht intensiv damit beschäftigt, ist ungebildet und sowieso dumm, aber er kann ja nichts dafür, er gehört zu den Untermenschen.

So richtig arrogante Arschlöcher eben. Es gibt sie in jeder Ecke irgendwo, besonders im Bereich der darstellenden und bildende Kunst ist mir das schon öfter aufgefallen, in diesem Metier gibt es sie besonders zahlreich, bzw. man bemerkt es gut, da sie alle Außenstehenden mit einem herablassenden Blick betrachten, über diesen einen Drehpunkt miteinander zu tun haben, aber ansonsten nichts übereinander wissen. Sie halten sich selbst für unglaublich gebildet und damit für etwas Besseres. Im Theater-Bereich sind sie oftmals auch visuell schnell erkennbar, jedenfalls für mich – aber das ist eine Intuition, die auf Erfahrungswerten basiert.

Woher ich das weiß? Nun ja, ich würde dazugehören, wollte ich. Und dann gehe ich mit, in die Abendvorstellungen im Theater, aber keine schicke Bluse, kein schlichter Rock, nein, lieber die lockere Jeans, am Hüftknochen angesetzt, mein geliebtes Pokémon T-Shirt und eine knallrote Fleecejacke, die ein, zwei Nummern zu groß ist. So aus Protest. Aber dann mit dem gewähltesten, dem hochgeschissensten Deutsch reden, die Vorstellung in der Pause mit einem Achtel Chardonnay diskutieren und die tiefsten möglichen Hintergedanken sowohl des Autors als auch der Akteure bei der Wahl der Darstellung heraufbeschwören. Passt nicht, passt überhaupt nicht, und denjenigen ist genau das ein Dorn im Auge. Jetzt könnte man meinen, warum die mich nicht einfach ausschließen oder ich einfach gehe. Naja, im Theater, Literatur etc – in diesem thematischen Kreis – fühle ich mich durchaus wohl (solche Abende sind die besten Impro-Übungen) und kann ein bisschen Ich sein. Und sie können mich nicht rausschmeißen, dafür bin ich zu gut. Und teilweise erfolgreich – wenn ich kooperieren würde, mich ebenso verhalten würde, würde ich perfekt zu ihnen passen, da ich alle „Voraussetzungen“ erfülle. Und durch dieses fast schon aristokratische Weltbild haben sie lieber mich dabei, weil ich „halt schon immer da war“, als jemanden Neuen, der eher ihre Spielchen mitspielen würde. Selber schuld.

Neuerdings habe ich dieses Phänomen auch außerhalb des Theater, der Schriftstellerei und der bildenden Kunst gesehen: Im Punk. Ich bezeichne mich ja ganz gerne manchmal selbst als Punk (wobei das wahrscheinlich eher eine Mischung aus Goth, Metal, Rock und Punk ist) – aber nicht wegen der Musik. Okey, schon ein bisschen, aber ich mags auch nicht, wenn man die ganze Zeit von wegen Tod und so rumbrüllt oder negative Stimmung verbreitet. Musik ist für mich ja was unglaublich Positives. Zurück – die eigentliche Bezeichnung von Punk ist das zu sein, zu tun, was man ist, und das entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen durchzieht. Die „Punk-Szene“ ist mehr dieses Anarcho-Punk, beinahe Anti-Modernes, Gehabe. Teilweise absolut kindisch und für mich nicht identifikabel (gibt’s das Wort?). Wer sich jetzt denkt: Die? Und ihr wahres Ich durchziehen? Hat sie ja Artikel lang gejammert, dass sie das nicht kann oder was? Stimmt. Aber ich hab durchaus meine Prinzipien, die mich besonders im Vergleich zu diesen arroganten Aristokraten wie ein Punk wirken lassen. Und dazu gehört nunmal, jeden als Gleich zu betrachten, erst die Geschichte dazu anhören, und dann – für mich persönlich – zu urteilen. Bist du nett zu mir, bin ich nett zu dir. Ganz einfach. Und daran halte ich mich eigentlich ziemlich gut. Was ein bisschen ein Widerspruch zu genau dem Artikel ist und auch hier: Diese Selbstverliebten – besonders in der Kunst-Szene – sind mir ein bisschen zu nervig von Zeit zu Zeit. Ich hab was Besseres zu tun. Zum Beispiel Mathe lernen. Besser gesagt, Mathe wiederholen, können tu ich’s ja mehr oder weniger.

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