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Im Theater am Kornmarkt in Bregenz wurde am 11.04.2014 „Der zerbrochene Krug“. Das Werk wurde von Heinrich von Kleist verfasst und unter der Leitung von Steffen Jäger aufgeführt. Die Komödie hatte eine Spielzeit von etwa 2,5 Stunden, was auch die kurze Pause in der Halbzeit begründet.

Es geht um eine Gerichtsverhandlung, wer den Krug, mit großem persönlichem Wert für die Besitzerin, zerbrochen hat. Dabei steht der Richter unter Druck, weil der Gerichtsrat anwesend ist und die Arbeit kontrolliert, weil verschiedene persönlichen Beziehungen, die der Geheimhaltung unterliegen, drohen, aufgedeckt zu werden, weil seine unangetastete Machtposition im Dorf plötzlich ins Wanken gerät. Am Ende kommt heraus, dass der Richter selbst den Krug zerbrach, eine Zeugin beinahe vergewaltigt und zur Falschaussage gedrängt hatte.

Die Handlung ist stark von der Zwickmühle, in der der Richter steckt, dominiert. Hier werden viele große diskutable Thematiken mit humanem Charakter (z.B. die Namensgebung der Hauptpersonen – Richter Adam und die Tochter Eve, das Wesen der nervenzerreißenden Schwiegermutter, die realen Macht der staatlichen Institutionen im Vergleich zum angestrebten Ideal, besonders im ländlichen Bereich uvm). Durch diese symbolischen Anspielungen bekommt das eigentliche Lustspiel oftmals für den Moment die Erscheinung einer Tragikomödie. Dabei wurden diese Anspielungen für das gebildete Publikum erkennbar dargestellt und teils humorvoll umgesetzt.

Ich würde meine Eindrücke leugnen, wenn ich behaupten würde, die Aufführung hätte durchgehend den Charakter einer leichten Komödie, da die oberflächliche Handlung nur allzu simpel ist. Doch besonders der Beginn, die ersten 30 bis 45 Minuten waren etwas zäh und verminderten den Glauben an einen erfolgreichen Abend. Dieser Glaube wurde aber in dem weiteren Verlauf bestärkt, da die Handlung ein schnelleres und dichteres Tempo annahm und der Spannungsbogen, so flach er auch anfangs war, immer rasanter anstieg. Dabei war es nicht das Wissen um den wahren Täter, das die Spannung aufbaute, sondern die klebrigen Geflechte, in die sich der Ortsrichter immer tiefer verstrickte und die Neugierde galt dem Ausweg, den der Herr finden würde.

Interessant war die Einbindung einer E-Gitarre im Szenenwechsel. Mir erschließt sich kein Zusammenhang vom Stück, aber besonders zu Beginn war es doch ganz nützlich, um dem ermüdeten Zuschauer wieder volle Wachsamkeit zu entlocken. Ich zolle der Darstellerin der Eve, Laura Mitzkus, meinen Respekt für den Mut, auf offener Bühne, nur in Unterwäsche bekleidet, zu spielen. In dieser „Liga“, in der das Theater am Kornmarkt spielt, ist es durchaus nicht üblich. Die Schauspieler im Allgemeinen waren recht motiviert, für die Leistung aufgefallen ist mir die Rolle des Richter Adams, der überzeugend gewirkt hat.

Für einen ruhigen, kulturellen Abend ist das Stück passend. Empfehlenswert ist es für diejenigen, die sich danach auch die Zeit nehmen (können), intensiver die Anspielungen des Stückes zu reflektieren.

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