Er wurde langsam ungeduldig. Wann nahm sie endlich ab? Schließlich war sie es doch, die etwas von ihm wollte. Oder das zumindest glaubte er. Sie freute sich auf jeden Fall immer, wenn er anrief. „Ich geb dir noch genau 10 Sekunden…“, dachte er nervös. Warum war er überhaupt nervös? Die Beziehung – ja, welche Beziehung überhaupt? – war keineswegs emotional oder romantischer Natur. Einfach nur so. Okey. Dann soll sie doch bitte abheben. Und – endlich. Die Verbindung war aufgebaut, er hörte sie auch schon: „What the hell do you want?“ Das verwirrte ihn jetzt sichtlich. Es war nicht selten, dass sie plötzlich ins Italienisch wechselte, von was er zwar kein Wort verstand, aber er es geduldig ertrug, jedoch hatte er weder mit Englisch noch mit einer so unfreundlichen Begrüßung gerechnet. „Ähh, wir wollten doch noch die Punkte für die nächste Ausgabe durchgehen?“ fragte er irritiert, aber bekam keine Antwort. Stattdessen hörte er eine zweite Stimme, männlich, klang älter. „What I want? Oh, you sweet little girl, you really don’t know what I want?“ Sie sprach mit jemand anderem. Warum hatte sie dann das Gespräch angenommen? Und was war das denn bitte? „Oh, you old, ugly fucker. I don’t care what you want, but I want you to leave. Immediatly.“ Klang nach Stress. Argem Stress. Auf jeden Fall war das entweder eine ziemlich versaute und ernst klingende Bettgeschichte und sie war nur irgendwie auf den „Annehmen“ Knopf gekommen, oder da stimmte etwas ganz und gar nicht. „Hahahaha, yes, I will leave, as you wish, Ma’am. But first, I want your blood. It’s a pity, that you really thought, you can say that my sister is a terrible bitch and then live as you did before. I thought you would be intelligent, but I was wrong, as I have to admit.“ Oh-oh. Hoffentlich lief da nur der Fernseher. Bitte, bitte tu nichts Dummes, bitte, gib klein bei und mach nichts Falsches. „Who do you mean? Who is your sister? And – excuse the question, but – you want my blood because I called your sister – whoever this is – a silly bitch? Seriously?“ Nein, er meinte doch, sie solle NICHTS Dummes machen. Nicht ihn noch mehr hetzen. Jetzt wäre es vielleicht nicht schlecht, die Polizei zu verständigen. Aber wo war sie? Sie konnte überall sein… „My sister is the girl, who was in front of you at the bus station, yesterday. She was smoking, you offended her because of this. And because you were jealous. And, yes, this is a reason to kill you. Nobody harms my sister. Nobody makes my little sister cry. Say goodbye, piece of shit.“ Was zum Teufel? Er wählte die Nummer der Polizei, erklärte kurz die Situation und ließ sie mithören. „You want my blood? You want to kill me? Try it, asshole. But first, explain, how you got my adress!“ „It would please me to explain this. I just called a good old friend of mine, who has access to your school’s database. It was so easy, as easy as it will be to kill you.“ „Phh… I’m a little, harmless girl, I can’t defense myself, right?“ „Oh, I’m so sorry, but I’m not really sorry. It’s a pleasure.“ „You’re insane, bastard.“ „And you’re dead, slut.“ Das war jetzt nicht wirklich das, wonach es sich anhörte, bitte, bitte nicht, flehte er. Aber es schien ganz und gar nicht so, es hörte sich zu real an. Nur wusste er nicht, warum sie englisch sprachen. Nervös beschleunigte sich seine Atmung, als er Kampfgeräusche im Hintergrund hörte. Sie schienen mit den Händen zu kämpfen, und für das, was er davor gehört hatte, schien sie sich gut zu schlagen. „Touché, my dear“, hörte er sie. „Not bad. Prepare for your end.“ „…you thought?“ Ein aggressives Brüllen. Ein lauter Aufschrei. Stille.

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