Schlagwörter

, , ,

Wie kann ein Freundschaftsband beständig sein und wehend dem Wind folgen, der Hand entrissen sein, bei jedem Hauch, ein andrer tut?

Wie kann ein Freundschaftsband beständig sein und dem Zerfall nicht entgehend der Blick sich andrerorts konzentriert?

Wie kann ein Freundschaftsband beständig sein und nicht existent sein durch die Entfernung der argen Welten Unterschied?

Wenn die eine in schillernd Kleidung gehüllt, träumend von einem Sixpack mithelfend im Herrenhaus, eingerichtet in ihrem Willen und die andere dabei daran denkt, dass sie nicht in zehn Jahren sind verheiratet mit drei Kindern, zwei Autos, einem Herrenhaus und einem Collie sein möchte. Die eine möchte reisen, möglichst weit weg, möglichst ohne Konventionen, Menschen und Städte kennen lernen, träumt höchstens von einem jungen Herrn, der ihre Seele trotz den dunklen Seiten durchschauen und lieben kann und möchte einfach frei sein und doch sich sicher fühlen. Dann treffen sie sich nicht. Dann sind sie nicht auf derselben Wellenlänge.

Wenn die eine von Kleidungsgeschäft zu Deko-Laden zu Café zu Kleidungsgeschäft springt, mit Mamas Kreditkarte in der Hand und mit den gefärbten Haaren über die kaputten Haare der Nächsten lästert und die andere dabei einfach weit weg sein will, in einem ruhigen Café oder im Wasser sein möchte, über Gott und die Welt nachdenken möchte und sich stets bemüht ein Funken Gutes in jedem zu finden. Dann treffen sie sich nicht. Dann sind sie nicht auf derselben Wellenlänge.

Wenn die eine angeekelt von Shakespeare, Homer, Beckett und Lindström den Kopf abwendet, sich stattdessen dem neuen iPhone oder Samsung in der schicken Handyhülle mit Eulenmuster, Glitzer und Federn zuwendet, da die Neue vom Ex schon wieder ein voll nuttiges Bild gepostet hat und die andere dabei den schönen Worten von Austen nachhängt, einen tieferen Sinn in „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ sucht und Muse mit Radiohead vergleicht. Dann treffen sie sich nicht. Dann sind sie nicht auf derselben Wellenlänge.

Wenn die eine stets fleißig ihre Schulaufgaben macht, immer den „Coolen“ nachrennt und in den Pausen lieber hungert, als etwas zu essen, während die andere stets mit Leichtigkeit durch die Schule kommt, sich nicht verstellen will, besonders nicht für die Hirnlosen, denen die ganze Klasse folgt und gerade extra einen Leberkäsesemmel isst. Dann treffen sie sich nicht. Dann sind sie nicht auf derselben Wellenlänge.

Aber irgendwie mögen wir uns trotzdem manchmal. Und irgendwie machen wir alles zusammen. Und irgendwie sind wir das allerbeste Team. Und irgendwie … bin ich froh, dass es sie gibt.

Advertisements