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Morgens erwachte Brigitte mit dem Weckerklingeln um Sieben, weckte Philipp auf und ging unter die Dusche. Philipp war innerhalb einer Viertelstunde wach, schlich sich müde aus dem Bett, nahm die Jeans vom Boden, zog sie an und aß etwas. Seine Mutter war auch fertig, gab ihm ein Küsschen auf die linke Wange und klopfte ihm kurz auf die Schulter.

In der Schule wurde er von den Leuten aus der Gang begrüßt, die überhaupt noch zur Schule gingen. Sie alberten herum und verarschten einen älteren Lehrer, rempelten andere herum – das Übliche eben. Bis Daniel etwas auffiel. „Hey, Mann. Ist das nicht dieselbe Hose, die du gestern anhattest? Ich dachte, deine Mutter riecht sowas gleich.“ Scheiße, ja. Warum hatte Brigitte das nicht bemerkt? Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht – und Philipp war neugierig genug, dass er es herausfinden würde. Den ganzen späteren Tag überlegte er. Was konnte seine Mutter dazu bewegt haben, von ihrem normalerweise zwangshaft geregelten Tag abzukommen, was konnte seine Mutter dazu bewegt haben, unaufmerksam gegenüber Veränderungen zu werden? Schließlich beschloss er, nach der Schule zum Therapeuten zu fahren. Vielleicht konnte er ihr mehr sagen. Konfrontieren wollte er Brigitte noch nicht damit – vielleicht war es etwas Unbedeutendes und er malte nur den Teufel an die Wand.

Beim Therapeuten beäugte ihn die Empfangsdame kritisch. Philipp wiederholte: „Ich bin der Sohn von Frau Poher und muss dringend mit ihrem Therapeuten sprechen.“ Ungläubig fragte sie: „Und weshalb? Gibt es etwa einen Notfall?“ „Ja, nein, nicht direkt. Es ist eben so, dass sie eine Zwangsstörung hat. Eigentlich läuft immer alles genau geregelt ab – aber seit gestern ist es irgendwie komisch und sie verhält sich nicht wie normal. Bitte lassen Sie mich einfach kurz mit Herrn Lampert sprechen, dann erledigt sich das vielleicht auch so.“ Seufzend gab die Empfangsdame nach: „Gut, warte eine Viertelstunde, dann hole ich dich rein.“ „Danke sehr“, antwortete Philipp erleichtert und setzte sich in eine bequeme Couch. Die Zeitschriften, die rumlagen waren nicht sonderlich interessant und so konzentrierte er sich darauf, nicht zu zeigen, wie nervös er war. Wahrscheinlich waren es doch nur Hirngespinste – aber wenn doch mehr dahintersteckte…

Die Sekretärin von Doktor Lampert bat ihn hinein. Der Therapeut bot Philipp einen Stuhl an und fasste kurz zusammen, was ihm die Empfangsdame gesagt hatte und fragte nach Details. Ehrlich beantwortete er alle Fragen des Therapeuten und bat ihn dann um eine Auskunft, wie er damit umgehen solle und warum das so sei. Seltsamerweise war dem Doktor Nichts aufgefallen, er werde sie aber im Auge behalten. Philipp solle einfach ganz normal weitermachen wie bisher, vielleicht war es ein gutes Zeichen, dass sich die Muster langsam aufbrechen würden. Sollte etwas Ernsthaftes passieren, dass sie zur Gefahr für sich oder andere wurde, solle er ihn sofort kontaktieren, meinte der Doktor noch und gab ihm seine Karte.

Etwas erleichtert, aber nicht wirklich informierter ging Philipp nach Hause. Wie bereits erwartet fand er heute das Gulasch vor und aß hungrig auf.

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