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Ich muss schon sagen, so falsch liegen die vielen Internettests nicht einmal.
Was für Internettests?

Naja, einige haben den Trend, der eh schon am abflauen ist, mitbekommen, sich selbst per Internettest auf psychische Störungen testen zu lassen. Oder auch die Symptome eingeben und das Krankheitsbild sehen (wobei man dann zu 90% einen Tumor, Krebs oder ähnliches hat). Nun ja, in einer sehr interessanten Psychologiestunde haben wir zur Abwechslung Theorie durchgenommen. (Psychologie ist an meiner Schule als maturierbares Freifach verfügbar). Nachdem wir letztens „A beautiful mind“ mit Russell Crowe fertiggeschaut haben – und nichts gegen diesen Film, wunderbarer Film – sind wir zum theoretischen Hintergrund von Schizophrenie gekommen. Wer sich meine Posts chronologisch durchliest, besonders in der Kategorie Realität, wird sich schon denken, ob das normale Stimmungsschwankungen oder etwas Ernsthafteres ist, aber ich will weitererzählen.

Der große Schwerpunkt bis jetzt waren Zwangsstörungen und Phobien. Wo auch immer sich dies erwähnen lässt, so wird es nochmals als Beispiel genannt. Nachdem einige Merkmale/Symptome von Schizophrenie anhand des Filmbeispiels (vertrauenswürdige Quelle, schließlich ist Crowe ein guter Schauspieler) aufgezählt haben, gingen wir nochmals zum letzten Thema, Verhaltenstherapie (die meist bei Zwangsstörungen und Phobien angewandt wird). Als plötzlich das Ende der unglaublich produktiven Stunde nahe kam, fragte die Lehrerin noch so in die Runde, vor was wir Angst hätten. Natürlich sind alle in dieser Gruppe nach diesem Semester Psychologie schon viel mehr als nur Hobbypsychologen, und es kamen gleich Antworten, wie Arachnaphobie, panische Höhenangst, auch die Jungs gaben zu, dass auch sie nicht verschont seien. Die gute Frau fragt also auch mich, nachdem ich mich nicht begeistert mit meiner Angst vor Spritzen oder Blut gemeldet hatte, vor was ich Angst hätte. Um ehrlich zu sein, mein Ruf in der Schule bzw. meine gesamte Präsentation nach Außen hätte es niemals zugelassen, dass ich so simpel wirkende Ängste aufgezählt hätte – habe auch keine Pseudophobien wie meine lieben Kollegen. Also sage ich, dass ich keine Phobien hätte. Was auch stimmt. Es schien etwas arrogant rüber zu kommen, vielleicht, weil auch sie uns ihre Hunde-Phobie gestand, also hakte sie – eine halbe Minute vor dem Klingeln – wie interessant, ob ich also ein ganz gesunden Verstand hätte und mich nicht beirren lassen würde. Ganz direkt sagte ich ihr, dass wenn ihre Definitionen und Krankheitsbilder der durchgemachten psychischen Störungen stimmen würde, hätte ich eine mäßig ausgeprägte Schizophrenie ohne Anfälle mit Halluzinationen, wobei eine meiner „Welten“ (Schizophrene sind nicht mehrere Persönlichkeiten in einem Körper, sondern eine Persönlichkeiten in mehreren Welten, die vom Kranken alle als Real und Gleichgestellt angesehen werden) habe das Asperger-Syndrom, wenn nicht sogar ganz Autismus. Dies ist aber nicht der Öffentlichkeit erkenntlich durch eine strenge Selbst-Disziplin, wie etwa die Hauptfigur des Filmes, die seine Schizophrenie durch strenge Disziplin, Ignorieren der Halluzinationen, normal leben konnte, was mich aber innerlich zerstören würde, da ich dadurch meine echte Persönlichkeit nicht ausleben würde.

Sie war still und machte keinen Mucks mehr. Die Glocke klingelte und ich schalt mich selbst, für meine loses Mundwerk – schließlich ging sie das nichts an und wurde eventuell etwas dramatisiert dargestellt. Deshalb ging ich nochmals zu ihr hin und sagte ihr, dass zu Schizophrenie schon etwas mehr gehört – mein Ausbund an Kreativität, Phantasie und unausgeglichenes Wesen, teilweise Introvertiertheit schließen noch nicht auf psychische Krankheiten. Genauso wenig wie eine Angst vor Hunden eine echte Phobie ist – jemand mit einer echten Phobie wird ihr das sicher bestätigen können (man könnte ja sagen, es sei eine leichte Phobie). Genauso wenig ist jemand, der seine Federschachtel gerne aufgeräumt hat, jemand mit einem Ordnungszwang. Ich glaube, das hat sie beruhigt. Wer blöd fragt, wenn ich müde bin, muss auch mit einer ebensolchen Antwort rechnen.

Nein, ich habe kein Aggressionsproblem, aber wenn ich müde bin und mein sehr schwach ausgeprägtes soziales Verhalten bzw. Moralverständnis mir nicht vorschreibt, nett zu sein, kann ich unglaublich gemein sein. In diesem Zustand, wenn es mein Verstand nicht verlangt, dass ich mich „anständig“ benehme, kann ich Menschen verbal vernichten. Und ich bereue es auch nicht, was ich einmal getan habe. Jedenfalls nicht in diesem Zustand – da bin ich bloß ehrlicher, als es nötig wäre.

Was aber für mich interessanter ist – war meine Aussage denn so falsch und übertrieben? Wenn man nach den Symptomen geht, die wir notiert haben, trifft auf mich praktisch alles zu, nur dass ich keine Krankheitsschübe mit Halluzinationen habe. Es stimmt auch, dass meine Selbstbeherrschung es verlangt, halbwegs normal zu wirken. Es stimmt auch, dass ich einerseits unglaubliche Probleme habe, mit Menschen zu sprechen, auf sie zuzugehen, soziale Kontakte zu knüpfen (vor allem wenn ich bereits weiß, dass ich mich mit ihnen nicht richtig unterhalten werden kann mangels Allgemeinwissen oder Dummheit – ich kann Menschen diesbezüglich schnell einschätzen und bei einer Prüfung meiner Einschätzung liege ich fast immer richtig), andererseits kann ich auf der Straße ganz offen fremde Menschen ansprechen, mit neuen Menschen über meine Lebensziele sprechen und unsere Träume diskutieren – verwirrend. Ab und zu neige ich zu depressivem Gedankengut, aber all das merke ich schnell und kann intervenieren. Ich sehe keinen Handlungsbedarf, Hinzuziehung eines Psychiaters oder gar geschlossene Anstalt (obwohl mich das brennend interessieren würde, wie es ist). Ich bin eben … anders. Aber habe das auch im Griff. Wenn es mir zuviel wird, schreibe ich viel, schreibe es aus mir raus, das Ergebnis wird meistens hier präsentiert.

Fazit: Ich freu mich aufs Studium, wenn der Lehrende nicht mehr selbst Laie ist. Hoffentlich beruhigt sie sich bald und unterrichtet auch Inhalt, nicht bloß Hollywoodfilme. Irgendwie hab ich nämlich meine Zweifel am wissenschaftlichen Wert der Inhalte.

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