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Sie gab ihm wie immer ein Küsschen auf die linke Wange, klopfte ihm kurz auf die Schulter und er ging seinen gewohnten Gang in die Schule. Dort wurde er wie jede Woche von seinem Englisch-Lehrer fertig gemacht, vom Physiklehrer noch weiter runter gedrückt und von älteren Professorin für Deutsch wieder aufgepäppelt, spaßte mit Mitschülern herum, bestritt den Schultag mehr oder weniger und kam trottend wieder nach Hause, nachdem er noch die hinteren Gassen der Innenstadt unsicher gemacht hatte. Zuhause wärmte er sich das von der Mutter vorbereitete Essen auf. Dachte er zumindest, denn statt dem erwarteten Gulasch, dass es jeden ersten Montag im Monat gab – nach einem Familienrezept von den Vorfahren aus Ungarn – fand er Lasagne vor. Der Junge wunderte sich, normalerweise vertauschte seine Mutter das Essen für Montag und Dienstag nicht (Dienstags gab es immer die Lasagne). Es war sogar höchst seltsam, denn es war praktisch unmöglich seine Mutter aus dem Konzept zu bringen. Brigitte, die Fitte, wurde sie manchmal von den Nachbarn genannte, die nichts verstanden. War eben so, konnte man nicht ändern. Dennoch erfreute sich Philipp an der Lasagne, schließlich war es Abwechslung – irgendwie – und das war mehr als selten.

Als seine Mutter – pünktlich um fünf – von der Arbeit und der Therapiestation nach Hause kam, fragte er sie gleich nach dem gewöhnlichen Begrüßungsritual, was los war, ob es ihr nicht gut ging. Brigitte verstand nicht, fragte verwirrt was sie meinte, aber für ihren Sohn war es nicht wichtig genug, um weiter nachzuhaken. Nach der aktuellen Tatort-Folge löschte sie alle Lichter, schloss alle Türen und schaute kurz zu Philipp ins Zimmer, schickte ihn schlafen.

Eine halbe Stunde wartete er, denn dann würde Brigitte ihren Grüntee mit den Baldriantropfen genommen haben und tief schlafen, sodass er keine Probleme hatte, aus dem Fenster, übers Verandadach sich rauszuschleichen. Er musste einzig das Fenster schnell wieder schließen, der kleinste Luftstoß würde seine Mutter sofort wecken. Also – Fenster auf, raus, Fenster zu. Sofort. Er duckte sich, schaute, ob Bekannte oder auch Fremde in der Straße waren, die ihn sehen könnten, ging bis an den Rand des Daches und kletterte vorsichtig am Pfosten auf die Straße. Dort zog er sich noch schnell die Kapuze über den Kopf und eilte an die Ecke, wo seine Freunde, die ähnlich aufgemacht waren, schon warteten. Kein besondere Nacht, nur das Übliche: ein wenig Gras und zwei, drei Bier, Scotty hat auch ein Flasche Vodka Taiga mitgebracht, die noch zusätzlich geleert wurde. Die Clique blieb bei einem kleinen Feuer beisammen, hinterließ nur den Müll – harmlose Kinder eben. Blöd waren sie aber nicht, sie wussten von Brigitte, deshalb duschte Philipp bei Daniel, er musste wenigstens halbwegs den Gestank losbekommen. Schließlich hatten sie sich geschworen, einander treu zu sein, waren ja Blutsbrüder, wie sie es im Fernseher gesehen haben, deshalb durfte Brigitte nichts von den nächtlichen Ausflügen erfahren, was schwer war, weil ihr ja jedes veränderte Detail auffiel. Dann zog er sich noch rasch die frischen Klamotten an und schlich sich wieder in sein Zimmer.

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