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Ein Tag wie jeder andere? Nein! Heute werde ich dich sehen. Ob du willst oder nicht. Ob ich will oder nicht. Natürlich will ich, das ist keine ernstgemeinte Fragestellung. Aber inzwischen weißt du, dass ich dich brauche. Könnte unangenehm für dich sein. Am Morgen steige ich mit müden, unausgeschlafenen Augen in den Bus, in den Zug, in den Bus und – da bin ich. Ein Stück weit laufen, und ich bin bei dir. Nicht alleine, mitten in der Öffentlichkeit. Aber bei dir. Das wird auf jeden Fall seltsam. Ich glaube, ich sollte mich wieder zurücknehmen. Mich nicht dir aufdrängen – für mich zwar gut, aber egoistisch. Alle Leute starren mich seltsam an, meiner Aufmachung wegen. Es gibt nicht viele Leute, die ihren Musikstil offen zeigen. Außer die breite Masse mit dem Mainstream. Ich meine, die Menschen, die auch etwas Eigenes hören.

Irgendwie fürchte ich mich vor der Begegnung. Ich gehe noch kurz etwas anderes erledigen. Doch dann lässt es sich nicht mehr hinauszögern – was ich ja irgendwie auch nicht will. Leicht zitternd, gehe ich dir entgegen. Du stehst mit dem Rücken zu mir. Ich bleibe ein wenig auf Abstand. „Hi.“ Leicht gesenkter Kopf, Hände im Ärmel versteckt, hängende Schultern. „Hey, schön, dass du da bist.“ Ich bin sichtlich nicht so locker wie du. Du scheinst unsere virtuellen Konversationen einfach ausschalten, vergessen zu können. Tut mir leid, dass kann ich nicht. „Hm.“ zucke ich mit den Mundwinkeln. Du siehst meine Unsicherheit auf der Stirn geschrieben und erbarmst dich meiner. „Komm her!“ Es sind noch nicht viele da. Du umarmst mich. Und ich umarme dich. Und dabei rollt mir eine Träne über die Wange. Und noch eine. Ich weine. Der Moment, in dem du mich loslassen willst, merkst du, dass ich stumm weine. Du drückst mich kurz ein wenig weg von mir und schaust mir in die Augen. Liebevoll. Weich – zärtlich. Dann drückst du mich wieder und ich schluchze. Es ist mir ein wenig peinlich, so in der Öffentlichkeit, und meine Knie wollen auch nicht mehr, ich versuche mich zu lösen, damit ich mich auf den Boden setzen kann, aber du lässt mich nicht los. Danke, danke dafür, das war das Richtigste, dass du machen konntest. Dennoch, setzt du dich mit mir hin und lässt mich dabei nicht los. Danke. Leicht streichelst du über meinen Rücken, hälst mich aber trotzdem fest in deinen Armen. Danke. Langsam beruhige ich mich wieder. „Danke“ sage ich und trockne meine Tränen. Du hälst mich noch ein paar Momente fest, obwohl ich nicht mehr weine, aber danke, diese paar Momente brauche ich noch. „Ich mag dich. Aber ich mag auch andere.“ „Danke“. Für den Moment war die Umarmung etwas intimeres als ein Kuss gewesen wäre. „Ich liebe dich.“ Ich muss nichts dazusagen. Er vesteht es richtig. Ich weiß, dass kein „Ich liebe dich auch“ zurückkommen wird, das verkrafte ich soweit auch, hauptsache, du kannst mit meiner Liebe umgehen und wirfst sie nicht in den Dreck. Noch ein letztes Mal drückst du mich, streichst mir über den Rücken, und dann gehts auch wieder. Der wahrscheinlich beste Tag in meinem Leben.

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