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Du hast dich nicht gemeldet. Nicht, dass das nicht der Normalfall wäre, aber nun schreibst du mir nicht einmal mehr zurück. Sinnlos, zu fragen, was los ist. Aber ich mag dich doch. Ich vermisse unsere Chats. Manchmal nicht unbedingt aufbauend oder positiv, aber ich fühle dabei, ich werde nicht zu einem Teil, der grauen, emotionslosen Suppe, die langsam versucht, mich wieder runterzuziehen, wo ich vor deiner Bekanntschaft war.

Ich schreib dir einfacht, verlieren gibt es da wahrscheinlich eh nichts mehr. Ich hab dich schon verloren – so fühlt es sich auf jeden Fall an. Ich schreib dir: „Magst du mich?“ Eine gewagte Frage. Wer wagt, gewinnt. Oder stirbt zumindestens. Nicht sofort. Ich krieg eine Antwort – für mich schon fast ein Gewinn. „Was soll die Frage?“. „Ist doch bloß eine Frage. Beantworte sie, wenn du magst, wenn nicht … gut, ich glaub das spricht für sich.“ Gemein, wenn du jetzt nicht schreibt, weiß du, dass es schlimmer ist, als NEIN zu schreiben. Und du bist kein böser Mensch. Du willst nicht verletzen. Aber ich weiß, dass du mit dem Mögen so deine Probleme hast. „Hey, komm, bitte. Lass das.“ „Sonst was? Redest du nicht mehr mit mir? Tust du doch eh nicht.“ „Was mach ich denn grad?“ „Ja, dann beantworte doch bitte die Frage. Magst du mich?“ „Das ist nicht so einfach… ich bin gerade nicht zu Hause.“ „Dann Verallgemeiner es doch. Im Großen und Ganzen. Das Gesamtpaket. Wenn du viele Ja und Nein hast, rechne kurz das Verhältnis aus. Demokratisch, sozusagen.“ „Ich will aber nicht. Das hat seine Gründe.“ „Du kannst mich nicht verletzen. Nicht mehr. Obwohl doch, aber ich würde damit rechnen. Es ist nichts Neues.“ „Bitte, hör auf. Damit.“ „Das war nicht gegen dich. Soll dir auch nicht das Gefühl geben, ich wär hilflos. Entweder weißt du das eh, oder du kannst es nicht sehen bzw. ich bin es nicht.“ „Trotzdem. Hör auf damit. Ist doch nicht gut.“ „Also beantwortest du die Frage nicht?“ „Nein.“ „Ok.“ Eine Pause entsteht. Ich bin irgendwie beleidigt, aber ich will gleichzeitig auch mit dir schreiben. „Tut mir leid. Ich sollte das nicht machen.“ Du schreibst immernoch nicht zurück. Aber ich sehe, dass du die Nachricht gelesen hast. „Ich brauche dich. Aber ich will es mir nicht einmal selbst eingestehen. Und ich wollte dich eigentlich nie damit belasten. Du fragtest, ob ich denn niemanden hätte. Die Antwort: Verdammt, ICH habe wirklich niemanden. Nicht einmal Leute, die so tun als würden sie mir zuhören. Deshalb, deshalb verstelle ich mich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Du hast mich entblößt. Ich dachte, bei dir wäre ich sicher. Ich dachte, ich könnte dir meine Sorgen und Hoffnungen und Wünsche gefahrenlos anvertrauen. Du würdest mich dennoch normal behandeln, und mir damit Stärke schenken. Aber ich habe mich geirrt. Du weist mich von dir ab. Und dabei würde ich dich brauchen – ich kann und will dir aber nicht die Verantwortung auf meine gesunde Psyche abgeben. Das wäre unfair. Aber lass mich nicht so zappeln. Ab und zu schreibst du mir viel, ab und zu wenig, ab und zu gar nichts. Das verwirrt unglaubllich. Entweder, du machst was mit mir, oder, wenn du mich nicht magst, oder nichts mehr mit mir zu tun haben willst (außer geschäftlich), dann sag mir das bitte. Aber quäl mich nicht so. Das bereitet mir große Schmerzen.“ Du warst zuletzt online vor 3 Minuten, sagt Facebook. Plötzlich meldet sich mein Smartphone, irgendein kleines Geräusch. Der Messenger sagt mir, du hast die Nachricht nun gelesen. Es vergehen dreißig Sekunden. Es vergeht eine Minute. „…“ „Hatten wir das nicht schon mal?“ „Ja, aber damals habe ich keine Antwort bekommen. Ich hab viel gehört, vielleicht zu viel, aber nicht das, was ich wissen wollte. Du hast dich gut vorbeigeschlichen.“ Ich setze noch einen drauf. „Wenn du es mir jetzt nicht sagen kannst, kein JA und kein NEIN, dann muss ich das zugunsten meiner Gesundheit als ein NEIN werten. Aber dann kann ich auch nicht in ein paar Tagen, ein paar Wochen einfach wieder so locker schreiben, wie sonst. Dann muss ich einen Schlussstrich ziehen. Alles andere frisst mich auf.“ „Es tut mir leid, dass zu hören. Wirlich traurig.“ „Und?“ „Gibst du mir noch bis zum Morgen bitte?“ „9.00h. Dann lösche ich meinen Facebook-Account. Du hast meine Nummer.“ Bin ich jetzt glücklich? Nein. Aber ich hoffe auf eine Antwort – und wenn sie negativ ausfällt? Dann habe ich Klarheit und ziehe dich nicht weiter in mein Elend. Und wenn sie positiv ausfällt? Dann bin ich für eine Zeit lang glücklich, sogar sehr glücklich. Ich glaube nicht, dass du auf Dauer mir regelmäßig schreiben wirst, aber vielleicht stimmt es mich dann besser. Vielleicht schreibst du dann wenigstens zurück. Ich gehe schlafen.

Nächster Morgen: 8.30h. Ich wache auf, keine Nachricht von dir. Es war ein erster Reflex, aufs Smartphone zu schauen, ob du eine Nachricht gesendet hast. Ich bin nicht süchtig nach dem Handy, „nur“ süchtig nach dir. Ich werfe mich melodramatisch wieder zurück in meine Polster und ziehe die Decke hoch. Schalte den MP3-Player an, der an die Boxen angeschlossen sind und höre ein Album von Radiohead. Wunderbare Band und die allgemeine Stimmung in ihren Liedern entspricht der meinen momentanen. Was nicht unbedingt erfreulich für mein eh schon trauriges Gemüt. Die Zeit geht langsamer und gleichzeitig schneller. Eine Mischung aus Angst und Erwartung beherrscht diese eine halbe Stunde. Punkt 8.59h kommt eine Nachricht. Mein Herz hüpft wie verrückt, hat wahrscheinlich Kammerflimmern, bloß, dass es mir nichts ausmacht. Es bedeutet wenigstens, ich bin dir nicht zu hundert Prozent egal. Warum auch immer. Ich lese: Ich solle verstehen, dass du nicht immer für mich da sein könntest. (Verstehe ich, weiß ich.) Es täte dir leid, mir nicht immer zurückzuschreiben, aber manchmal hätte er einfach nicht die Worte oder die Kraft (faule Ausrede irgendwie, und gleichzeitig will ich Verständnis für die aufbringen) und besonders solle ich nicht versuchen, dich in allen Facetten kennenzulernen (will ich aber schon irgendwie, aber wenn du es wünschst). Aber, was wichtiger wäre, für diesen Anlass, auch wenn dieses Ultimatum bescheuert sei (nicht für mich), irgendwie verstündest du es, begreifest es aber noch nicht (danke, wenigstens etwas). Du würdest gerne mit mir in Kontakt bleiben, es gäbe keinen Grund, diesen abzubrechen. (Oh-my-god YES!) Aber bitte, ich solle doch nicht so streng mit mir und dir sein (du hast es nicht kapiert.). Ich verliere die Hoffnung. Du magst ein paar Züge von mir, aber nicht ausreichend genügende, um mich wirklich zu mögen oder an mir interessiert zu sein. Scheiße gelaufen. Ich kriege noch eine Nachricht. „Was erwartest du von mir?“ „Wäre es zu viel verlangt, einfach ab und zu nachzufragen, wie’s mir geht, oder mich auch wie deine anderen Freundinnen zu behandeln – mal fragen, ob ich hier oder da mitmachen möchte, ich sage selten ab; mich wie ein kleines Mädchen ab und zu in Schutz zu nehmen – klingst seltsam, aber … ich habe eine starke Maske, doch du hast sie schon einmal durchbrochen, du solltest eigentlich wissen, dass, egal wie stark ich vorgebe zu sein, ich mit jedem Tag schwächer werde.“

„Wie geht’s dir, kleine Hexe?“ Für diesen Satz liebe ich dich.

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