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Ich stehe da und schlage meinen Kopf gegen die Wand. Nicht, dass mir mein Kopf unwichtig wäre. Aber es war nötig. Nicht, dass in meinem Kopf vorher etwas Wichtiges gewesen wäre.
Immer wieder höre ich Geschichten und Weisheiten – der Verstand läuft über das Gehirn und die Gefühle über das Herz. Und Gefühle folgen vor allem nicht dem Verstand – im Gegenteil. Total animalisch folgen sie bloß Instinkten und Trieben. Was ab und zu ganz nett ist, um den Kopf abzuschalten. Aber die Folgen sind teils für das private, aktuelle Leben verheerend. So mein jüngstes Erlebnis. Jemand Besonderes schreibt mir, klagt mir, über die Arbeit, die er noch vor sich hat. Ich kann Menschen nicht an sich selbst leiden lassen und die Französisch-Hausübung ist sowieso … naja, eben Französisch-Hausübung. So übernehme ich die Arbeit, ohne dass er es weiß. Aber ich tue es gerne. So schwer ist es nicht und in drei Stunden (ohne Pause) habe ich es erledigt gehabt. Eine förmliche Nachricht – ob er immernoch die Arbeit vor sich hätte. Ne, eigentlich nicht, hat sich erledigt.

(…) 2 Minuten Leere im Gehirn.
Ok.
Was?
Habe falsch gelesen.
Nochmal: Ne, eigentlich nicht, hat sich erledigt.
WAS?
Okey…. okey… keine Panikattacke bitte, nicht hysterisch werden, NICHT durchdrehen!

Nachdem ich erkannt hatte, dass die drei Stunden Arbeit wirklich für’n Arsch waren, habe ich ALLES irreversibel gelöscht. Okey. Okey. Ganz ruhig.
Naja – das war der Punkt an dem ich mir dachte: Warum zur Hölle habe ich das gemacht? Lächerlich, einfache Antwort: Weil ich liebe. Nochmals, für die, die es nicht wissen: Keine Marry-Me-Liebe. Eher Freundschaft-Liebe. Oder wie zwischen Haku und Chihiro – Liebe, ohne dass sie das Bedürfnis haben, sich die Zunge gegenseitig in den Hals zu stecken.

Einen Trost habe ich noch – das Träumen.
Wer mich kennt, weiß, dass ein Äußeres allein für mich nicht (sexuell) anziehend ist. Sobald ich erkenne, dass ein Stein einen höheren IQ als mein Gegenüber hat, bin ich weg. Ziemlich schnell sogar. Dafür habe ich einen Faible für sehr Intelligente oder Kreative Männer, was sich bei den Meisten deckt. Auf jeden Fall, bei denen, die ich kenne. Deshalb mag ich auch Sherlock Holmes. (Ich weiß, eine fiktive Figur, aber sexy.) Ein wunderbarer Traum. Ich erzähle ihn:

Ich bin in London – endlich. Der Sommer ist wunderbar verlaufen, bis jetzt, und ich würde gerne noch länger hier sein. Die Stadt ist wunderbar und natürlich. Es war richtig, nicht in eine Hotel, sondern mit meinem Rucksack in die Jugendherberge zu gehen. So lernte ich die Stadt viel besser kennen und habe neue Freunde dazugewonnen. Es ist dunkel, ich weiß nicht genau, wo ich bin. Wahrscheinlich irgendwo in einer Bar, einem Club oder einer Seitengasse. Ich bekomme nicht viel von meiner Umgebung mit. Aber ich sehe jemanden. Benedict. Benedict Cumberbatch (in seinem Sherlock-Aufzug). Ich gehe zu ihm hin. Ein Typ in Schwarz, will mir in den Weg stehen, aber Benedict hält ihn beiseite. Ich schaue entschlossen, aber nicht wirklich gefährlich aus. Leise, mit leicht kratzender Stimme, sage ich „Once in my life I want to do what I want to do.“ Er schaut mich an. Ich schaue ihn kurz an, er beugt sich ein wenig herab und drückt sanft seine rauen, harten Lippen auf meine. Sie fühlen sich fest an – bestimmt. Selbstsicher. Rau. Wild. Aber das Beste daran – das Gefühl dabei. Obwohl er mich nicht kennt und ich ihn nicht wirklich kenne, fühle ich mich unglaublich geliebt und schön. Keinen Millimeter rücke ich ab, er ebenso nicht und ich lege meine Hände um seinen Hals. Mit der Rechten streichle ich leicht seinen Haaransatz im Nacken und wickle die ersten kleinen Locken auf meinem Finger auf. Seine schlanken, aber starken Arme um meinen Körper, zieht mich leicht an der Taille an sich und ich – mache mit, etwas anderes bleibt mir gar nicht übrig. Etwas anderes will ich auch gar nicht, dass ist das Very-fucking-OHMYGOD-best-Case-Szenario, dass ich mir erdacht habe. Nun bekomme ich noch weniger von meiner Umwelt mit und ich genieße einfach den Moment. Was auch immer er mit mir jetzt machen würde – ich war ihm emotional willenlos ausgeliefert und ich freute mich darüber. Als Mensch, dessen Moralvorstellung genauso verwirrt ist, wie die meine, fragt er nicht lange nach – zum Glück. Es ist, als ob wir uns ohne Worte, sogar ohne Blicke verständigen können. Keine Sekunde lang trennt er sich von mir, hält mich immer im Arm oder mindestens meine Hand, bis wir in einem Zimmer sind – keine Ahnung wo, keine Ahnung wie, ist einfach so. Sein Trenchcoat war schon weg und das Hemd geöffnet. Ich legte meine Hände an seine starke Brust und fühlte mich sicher und geborgen. Ich lächelte, aber er konnte es nicht sehen. Er hob mit einem Finger mein Kinn an und ich lächelte ihn an, nur dezent angedeutet. Seine Mundwinkel formten ebenso ein weiches, sanftes Lächeln. Dann kam das Hemd ganz weg, und auch ich hatte praktisch nur noch das Nötigste an. Ich genoss es, seine Hände an mir zu spüren, ich fühlte mich schon wieder … so sicher. Ich wusste, wie er dachte, funktionierte, weil er genauso wenig von „normal“ verstand, wie ich. Er wusste vielleicht mehr als ich, aber er verstand von ihnen genauso wenig. Deshalb wunderte ich mich nicht, als wir nebeneinander, aufeinander, untereinander in einem bequemen Bett lagen, einfach nichts sagten und uns umarmten. Wir waren nicht alleine auf der Welt – ich verstand jetzt, dass er genauso einsam war wie ich. Kein einziges Wort kam über unsere Lippen, manchmal Küsse, aber auch kein Sex (was mir ziemlich egal war). Ich fühlte mich wohl.

Tja, dann wachte ich auf. Ich wachte (wahrscheinlich zum ersten Mal seit langem) mit guter Laune und einem Lächeln im Gesicht auf. Das war vielleicht ein Traum – obwohl ich mir seiner Irrealität bewusst war, fühlte ich mich immer noch gut und wertgeschätzt, geliebt und geborgen. Ich freue mich definitiv auf die 4. Staffel, nachdem ich die 3. schon durchhabe.
Im Nachhinein betrachtet, wäre vielleicht ein guter Porno oder zumindest ein „feuchter Traum“ daraus werden können. Aber die Art und Weise, wie er verlief, war wahrscheinlich die vollkommenste Befriedigung für mein Herz – es tat so verdammt gut. Es tut immer noch gut. Und wenn ich dann drei Stunden umsonst arbeite, denke ich an das fiktive Geschehen mit einer fiktiven Persönlichkeit, die mir Kraft gibt. Danke, an dieser Stelle. Falls das jemand liest, der Benedict Cumberbatch kennt, ich bin im Sommer wirklich in London. Er kann gerne mal vorbeikommen.

So ist das Gleichgewicht wieder ungefähr im Lot. Damit ist es wahrscheinlich bald wieder vorbei, aber für den Moment bin ich unheimlich glücklich.

Ich wünsche ein gute Nacht und angenehme Träume.

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