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Das wandelnde Schloss, Sophie und Hauro

Sophie und Hauro

Wer mit den bekanntesten Werken im Anime-Genre von Hayao Miyazaki vertraut ist, wir ihn ebenso lieben wie ich. Besonders, wenn die Musik auch aus der Feder von Joe Hisaishi kommt – meine persönlichen Favoriten sind Carrying you und Merry go round of life. Naja, mein Herz glaubt jedes Mal explodieren zu müssen, wenn ich schon die ersten Töne von Merry go round höre – die Geschichte hinter „Das wandelnde Schloss“ aus dem Hause Ghibli ist wunderschön. Gleich zu Beginn möchte ich auch klarstellen, dass ich das Buch gelesen habe, die Handlungen unterscheiden sich ein wenig und im Original ist es auch nicht so eine schöne Liebesgeschichte, aber ich mochte auch das Buch von Diana Wynne Jones („Howls Moving Castle“). Diese Geschichte ist auch neben „Stolz & Vorurteil“ von Jane Austen eine der wenigen, in denen ich beide Protagonisten nachvollziehen kann und auch beide mag. Oft ist es so, dass ich einen der beiden recht symphatisch finde und auch die Handlungen kohärent finde, aber den anderen nur abnormal stupide, unlogisch und ohne besondere Existenzberechtigung finde – hier „schwärme“ ich für beide: Sophie und Hauro {Ha-uro}.

Kurz die Handlung erzählt: Sophie sieht in ihrem Leben keine großen Erfolgsmöglichkeiten und gibt sich deshalb mit dem Leben einer einfachen Hutmacherin zufrieden. Hauro, ein gefürchteter Zauberer, begegnet ihr einmal und beschützt sie, weshalb die ebenfalls gefürchtete Hexe aus dem Niemandsland Sophie mit einem Fluch belegt – sie altert um ca. 70 Jahre. Resigniert macht sich Sophie auf in die Ferne, flüchtet, und findet Schutz in Hauros wandelndem Schloss, ein Müllhaufen, zusammengehalten vom lieben Feuerdämon Calcifer, mit dem sie einen Handel eingeht. Er befreit sie von ihrem Fluch, wenn sie hinter den Vertrag zwischen ihm und Hauro kommt und ihn damit befreit. Um dies zu schaffen, stellt sie sich selbst als Putzfrau im Schloss ein und lebt fortan mit Hauro und seinem Lehrling. Sophie und Hauro kommen sich immer näher, sie verliebt sich in ihn, bekämpfen auch gemeinsam den im Land herrschenden Krieg. Als Hauro dem Sterben nah ist, geht sie in seine Vergangenheit, wo sie Hauro und Calcifer trifft und ihnen sagt, sie sollen in der Zukunft auf sie warten. Sie heilt Hauro, bricht den Vertrag zwischen ihm und Calcifer und wird vollends wieder jung. Zusammen mit Calcifer und dem Lehrling leben sie wie eine Familie.

Der Film ist mir unendlich viel Wert. Ich kann zwar nicht viel mit Emotionen anfangen, aber dieser Film hat mir am ehesten näher gebracht, was die tiefe, echt empfundene, uneingeschränkte Liebe bedeutet. Dabei meine ich nicht, dass beide – Sophie und Hauro – mehrmals ihr Leben für den anderen eingesetzt haben. Es ist das große Ganze – ihre Welt dreht sich nicht mehr um ihr kleines, trostloses Leben, es hat einen neuen Mittelpunkt. Ebenso ist es mit ihm. Sein ganzes Leben lang ist er mit seinem Schloss durch die Welt gewandelt, um sie zu suchen. Er vertraute auf die Worte, die er in der Vergangenheit vernahm, konnte aber nicht einfach auf Sophie in der Zukunft warten, er suchte sie verzweifelt, erlangte erst mit ihr seinen inneren Frieden und konnte glücklich werden. Sie ergänzen sich wunderbar und sind doch eins, von der ersten Minute bis zur letzten empfinden beide eine tiefe, innige Liebe und auch eine wunderbare, unbarmherzige Verliebtheit – würden sie doch beide ohne ein Zögern ihr Leben für das Wohl des Anderen opfern – für sich selbst – für das wir. Eine solche Liebe habe ich noch nie erfahren dürfen und auch noch nie gesehen. Doch auch ich liebe – bin nur nicht verliebt. Es gibt Menschen, denen auch ich sofort alles geben würde.

Ich verstehs nicht wirklich, denn es ist destruktiv. Aus der Angst, dass sich jemand, der zu meinem neuen Mittelpunkt wurde, einfach verschwinden würde, wage ich es nicht, den Mittelpunkt zu verlagern, ja schirme mich ab, damit mir niemand zu nahe kommen kann. Wenn jemand verletzt wird kann er auf zwei Arten reagieren: Entweder er pflegt die Wunde halbwegs gesund und hält sich dann sein Leben lang in einem Reinraum auf oder er brennt die Wunde richtig aus und läuft dann Gefahr, sich neue Wunden zu holen. Ich habe zuerst die zweite Methode angewandt – aber als ich durchstochen war, ständig blutete, zog ich mich aus Selbstschutz zurück, vermummte mich immer mehr – wei die erste Methode. Nun bin ich abgehärtet gegen fast alles und habe auch fast alles menschliche verloren – so kommt es mir jedenfalls vor. Wer glaubt, ich übertreibe: Ich weine vielleicht zweimal im Jahr, bei extremen physischem Schmerz (den im mir nicht selbst zufüge, ich meine Unfälle u.ä.). Weinen, um meine Seele zu befreien, um den psychischen Druck rauszulassen, kann ich nicht mehr. Ich kann nicht mehr weinen. Umso mehr berührt mich „Das wandelnde Schloss“, denn es zeigt mir, es gibt noch Hoffnung auf der Welt. Vielleicht nicht für mich, aber es gibt Menschen, es muss Menschen geben, die es noch wissen, nicht verlernt haben, wie man liebt, wie man ein Mensch ist. Das gibt mir einen inneren Frieden – sollte ich sterben, so ist es gewiss ein friedlicher Tod. Egal, wie wenig ich von der Person gegenüber von mir halte, ich suche immer einen kleinen Funken Hoffnung in einem Menschen, eine kleine Eigenschaft, ein kleiner Charakterzug, der diesen Menschen gut macht. Ich versuche mir einzureden, dass noch nicht alle Hoffnung aufzugeben ist, die Menschen sind nicht komplett schlecht, nicht nur böse, gefühlslos, kalt, unliebend. Es klingt selbst in meinen Ohren komisch, denn ich bin ja eigentlich die, die glaubt, keine Emotionen zu haben. Bis sich ein leiser Gedanke die Wirbelsäule heraufzieht, bis er in meinm Kopf ist: Ich habe Gefühle. Ich verstecke sie nur im Alltag, auch vor mir selber, da es manchmal leichter und weniger schmerzhaft ohne ist. Weinen kann ich dennoch nicht. Ich fühle bloß eine unendliche Trauer in meinem Inneren, denn ich weiß, ein Teil von mir ist gestorben, als ich mich eingeschanzt habe. Ich weiß jedoch nicht, ob ich mich je wieder nach außen wage – oder mich nach außen wagen will. In meinem Herzen brennt immer noch das Herz des kleinen Kindes, dass ich davor war, aber die Erwachsene in mir, die dieses Feuer des Kindes beschützt, hat verdammt große Angst, dass wenn es das Kind rauslässt, das Kind verstümmelt wird, grausam vermetzelt von der Realität. Die Versuche, die ersten Schritt nach draußen sind alle schlecht ausgegangen – ich wurde ausgelacht, verstoßen, wollte doch bloß meinen Träumen folgen. Es gibt jemand, der mir sagt, ich könne das Kind rauslassen, ja ich muss, wenn ich nicht innerlich Sterben will – und dieses jemand selbst hält dabei sein verstümmeltes Kind in den Händen. Ich denke, auch diese Gedanken so niederzuschreiben, wie sie mir in den kopf kommen, ist zwar verwirrend, aber ein kleiner Schritt in die Realität, in die Außenwelt, wenn auch noch eher ein Schritt in den Vorgarten. Dies und noch ein bisschen mehr habe ich diesem einem Film zu verdanken – diese Erkenntnisse. Danke. Danke. Danke.

happy b-day @j-man

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