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Wir stehen hier. Reden, locker. Kein Problem. Irgendwie gehen wir in Tiefe und kratzen doch nur an der Oberfläche, weil wir Angst von dem haben, was sich dahinter verbirgt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Unsere Pseudotiefsinnige Unterhaltung läuft so weiter und ich werd nicht müde – bin erschöpft, schon lange kaputt. Wir reden weiter – und weiter – und weiter – und weiter – und da. Ich habs gehört. Da schon wieder. Du machst dich selbst kaputt. Warum? Ach, keine Ahnung. Weder du noch ich. Und, ganz ehrlich – mir wirds zu blöd. Was erwartest du? Mitleid. Okey, klar, kein Problem. Aber erwarte bitte nicht, dass ich alle deine Gedanken lesen kann – meine Firewall spielt da nicht mit. Den ganzen Tag lang kommen Leute mit Problemen zu mir, ja klar, passt gut, mach ich, morgen ists erledigt, ich red mit dem, dann passt das wieder. Aber ich halts aus. Es macht mir nichts aus. Aber deine Probleme wiegen Tonnen, erdrücken mich. Meine Firewall spielt da nicht mit. Du fragst mich was. Irgendwie schweifen meine Gedanken ab. Hm? Wie kann ich dir helfen – wie zum Teufel? Ich mags nicht besonders wenn ich ein Bild vor mir hab, die Puzzleteile vor mir hab, und um das ganze zu etwas Perfektem zusammenzusetzen fehlen mir die wichtigsten Teile. Das schaff ich nicht. Die Stimmung wechselt. Die Meisten denken ja, ich hätte keine Gefühle – stimmt vielleicht. Aber ich weiß genug über Gefühle, um sie zu erfassen. Dein Ton gedämpft, du blickst zu Boden, schiebst einen Kiesel mit deinem Schuh hin und her. Es ist dir unangenehm. Und doch muss es raus. Also, was gibts? Tja, ähhm, weißt du, tja, ist nur so ’ne Ahnung, weiß nich, klingt vielleicht blöd, aber… kann es sein, dass du mehr willst? Ach, war blöd, vergiss es. Hm. Mein Schatz, ich liebe dich. Mein Kopf singt sogar gleich weiter – du bist der Einzige für mich, die andern find ich alle doof… . Ich hör auf zu singen, ich seh den Schrecken in deinem Gesicht. Wahrscheinlich stellt dein Hirn gerade auf Flucht um. Du findest keine Worte. Du hast nicht damit gerechnet, dass die Befürchtungen wahr sind. Ja, ich liebe dich. Aber – beruhig dich. Keine Panik, okey? Ich mein das nicht so – bis dass der Tod uns scheidet – ich mein das eher so: Ich hab dich in mein Herz geschlossen und mag dich so wie du bist, auch deine verdammt scharfen Ecken und Kanten, an denen ich mir manchmal ein blutiges Knie hole oder den Kopf aufschlage, aber auch die mag ich irgendwie, denn sie gehören zu dir. Dein Puls dürfte sich jetzt etwas beruhigt haben, aber der Verstand lässt nicht locker. Er sieht die Situation immer noch kritisch. Falls dir das nicht eindeutig genug war, es gibt noch andere Menschen, die ich liebe. Es sind nicht viele, aber auch sie liebe ich. Ich will weder dich, noch die anderen Menschen küssen oder mit euch eine Beziehung führen. Ich liebe euch einfach nur. Auf deiner Stirn steht geschrieben: Verwirrt, aber etwas Beruhigt. Oh, ok. Du bist beschämt, nichts Erwidern zu können. Lass es gut sein. Es ist nun einmal so und ich fordere nichts dafür. Ich suchs mir nicht aus, aber ich gebe (fast) alles, was mir möglich ist. Auch das hab ich mir nicht ausgesucht, aber irgendwie tut es auch gut. Vielleicht sind das Hormone, Mutterinstinkt und so. Vielleicht ist es auch bloß Liebe. Setz dich deshalb bitte nicht unter Druck, und bitte, wenn es dir geht – und ich weiß, dass es unmöglich ist – behandel mich deshalb nicht anders. Jetzt sehe ich Niedergeschlagenheit in deinen Augen. Es fühlt sich an wie eine Trennung und doch irgendwie nicht, denn meine Seele fühlt Befriedigung und pure Sanftmut – ich liebe dich eben. Du fühlst dich schlecht – aber das musst du nicht. Hey, das war auch schon vorher so – und war es ein großes Problem. Ich lächle breit. In deinen Augen kommt nun ein Funken Hoffnung auf. Die Niedergeschlagenheit, meine Gefühle nicht erwidern zu können, verschwindet noch nicht wirklich, aber es kommt ein Funke Hoffnung auf und wir umarmen uns, es dauert lange, aber es tut gut, denn es ist irgendwie – klärend. Es klärt die Ungewissheit auf und wir schauen uns noch ein letztes Mal in die Augen. Du bist noch ein wenig Unsicher, aber lächelst. Du weißt jetzt, dass du diese Liebe einfach akzeptieren kannst, sie nehmen kannst, nichts geben musst. Wir wünschen uns eine gute Nacht und angenehme Träume und gehen sicheren Schrittes weg.

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