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Heute morgen: Wecker klingelt.
Er sagt: Hey, steh auf, geh arbeiten!
Ich sage: Halts Maul Schwachkopf!
Wir batteln uns für ca. 10 Minuten.
Er gewinnt.

Neuer Fahrplan: Linie gestrichen.
Nächste Linie: In 10 Minuten.
Arbeitsbeginn: In 12 Minuten.
Ich warte geduldig ohne Panik.
Ich komme pünktlich.

Meine Arbeit: Wie immer.
Gewöhnlich: Kalt und Langweilig.
Mein Kopf: Vergiss es!
Ich warte gar nicht erst.
Beginne zu Träumen.

Aus Langeweile schnipple ich mit der Schere an einem Blattrestchen eines Endivien-Salates herum. €1,50, herabgesetzt von €1,70 wegen Qualitätsmangel, verursacht durch Kälte. Ich denke, eigentlich sollte ich mit dem Messer herumschnippeln oder mit der Schere Zettel zerschnippeln. Aber Schere und Gemüse? Passt nicht. Eine Kundin kommt. Zwei Gurken und eine Zucchini bitte. Kommt sofort. Zweimal €1,70, erhöht von €1,20, keine Ahnung warum. Zucchini wurden heute nicht geliefert. Tut mir leid, die Zucchini sind heute schon ausverkauft. Macht nichts, ich nehme stattdessen noch drei Tomaten. €6,90/kg, wurde im Sommer so teuer, als die Tomaten aus Eigenproduktion kamen, seit dem nicht mehr herabgesetzt, obwohl sie mittlerweile aus Italien kommen. Im Kopf noch zusammenrechnen. Was war das erste doch gleich? Ach egal, dürfte irgendwas um 6 Euro ergeben. Sechs Euro dreißig, bitteschön. Hier, mach sieben. Vielen Dank. Die Weihnachtsstimmung macht Leute spendabler. Hier, das Rückgeld und die Ware. Einen schönen Tag noch und schöne Feiertage. Danke, dir auch. Danke, auf Wiedersehen. Sie ist weg. Das Preisschild bei den Tomaten ist verrutscht. Ach, egal – wen kümmerts? Der Schnapsverkäufer gegenüber macht die gleichen miesen Witze wie jede Woche – und trotzdem verkauft er sein Zeug. Ich nehme die Schere wieder und schnipple wieder am Salatblatt herum. Salate sind heute neuerdings alle €1,70, jetzt ist die Salatsaison ja vorbei, da kann man ruhig ein bisschen raufgehen. Ein Pärchen kommt meinem Stand verdächtig nahe. Lasst mich in Ruhe! Ich will euch nicht bedienen! Gut, sie haben meine feindselige Aura bemerkt und gehen vorbei. Das Salatblatt ist fast schon zu klein, um noch kleiner geschnippelt zu werden. Ärgerlich. Sehr ärgerlich. Ich lasse den Frust am Sellerie aus und halbiere ihn. €3,00/kg, war schon immer so. Oder war es €1,90/kg? Egal, kauft sowieso keiner. Auf jeden Fall wird er jetzt geteilt. Das große Messer war irgendwo neben der Waage. Das Teil ist verdammt zäh, es will wohl nicht beschnitten werden. Aber mein Ärger und Frust ist zu groß, er hat keine Chance – niemals. Und doch schlägt er sich wacker. Das Messer ist schuld, es ist zu wenig scharf. Und sowieso, ein gewelltes Messer würde das viel besser schneiden. Und dann – berührt mich eine Hand am rechten Arm. Hey, warum so gewalttätig? Ich erkenne die Stimme sofort und drehe mich schlagartig um. Mit dem Messer in der Hand. Aber, glücklicherweise, ist nichts passiert. Ich lache und entspanne mich dabei – der Morgen ist gerettet. Ich grinse über beide Ohren und er auch, ich lege das Messer weg und umarme ihn. Hey. Hallo. Was bringt dich hierher? Naja, ich wollte mal so sehen, wie und was du so arbeitest – scheint ja unglaublich spannend zu sein, wenn du schon den – was ist das? – malträtierst. Ja, brutal cool und so, das ist Sellerie. Gibts als Knolle und als Stangensellerie. Frag mich nicht, für was man das verwendent, ich hab selbst keine Ahnung. Suppe, vielleicht. Aha. Und was machst du so? Warte, ich zeigs dir. Geh mal nach vor. Okey, und jetzt? Grüß Gott, was darfs sein? Schallendes Gelächter. Hmm, ich hätte gerne zwei Paprika und von dem roten Glitsch-Zeugs. Gerne, Sie können mir die Paprika gerne rübergeben, dann kann ich sie abwiegen. €6,90/kg, ich weiß nicht warum so teuer, ich würds auf jeden Fall nicht kaufen. Hier. Danke. Wieviele gekochte Randig dürfen’s sein? Gib mal so zwei, drei. Sehrwohl. Passt die Größe? Jaja. €3,00/kg, ich glaube der Preis passt in etwa. Das macht dann fünf Euro zwanzig, bitte. Entschuldige ich habe nur fünf. Das passt schon so, nicht so schlimm. Das also ist dein ganzer Vormittag? Ja, so in etwa. Ich weiß jetzt, der Tag ist gerettet, du bist hier. Verräum das Zeug wieder, du isst das sowieso nicht. Glaubst du? Weiß ich. Eine Kundin kommt direkt auf den Stand zuglaufen. Habts Ihr krause Petersilie? Ja. Und Karottn aa? Ja. Gut, dann nehm i a Bündl Petersiel und könnt i a Sackl für d’Karottn hamn? Hier, bitte. Petersielie, €19,90/kg, wie alles Kräuter-Zeugs. Ich nehme die Karotten entgegen. Entweder €1,70 oder  €1,90, ich glaube, das wechselt alle paar Wochen. Die Frau ist mir unsymphatisch, also €1,90. Hey, halt mir mal den Sack auf. Wieso sollte ich? Kriegst n’Keks. Ok. Ich lache, die Kundin ist ein wenig verwirrt oder verunsichert. Opfer. Das macht dann drei Euro zwanzig, bitte. Sie zückt einen Fünfziger. Blöde Kuh. Hätten Sie es vielleicht auch kleiner? Meine Chefin hat leider das Wechselgeld mitgenommen. I muas schaun ob i a Kleingeld hob. Sicher. Hier, i glaub i kriags zammn. Vielen Dank – schöne Feiertage noch. Ihna aa. Sobald sie weg ist mache ich sie nach. Göht des vielleicht a bisserl schneller, i muas nachher aufn Bus. Hättn Sie a festkochnde Kartoffln? Du lachst, ich lache. Ich habe Spaß – und das bei der Arbeit. Wir bedienen zusammen noch ein paar Kunden: Kartoffeln: €1,70/kg, Kohlrabi: €1,20/Stück, Knoblauch €14,90/kg. Dann kommt die Chefin zurück. Hallo, ich hab einen neuen Mitarbeiter eingestellt. Wir grinsen uns an. Aha, was kann er so? Ja, ähm, was kannst du eigentlich? Ähh, ich kann rückwärts von 48 auf 32 zählen. Gut, du bist eingestellt. Sie weiß, dass wir nur blödeln. Aber halt sie nicht von der Arbeit ab, Bursch! Äh ja, geht klar. Und zwinkert mir zu. Ich schmunzle und blicke dabei in dein Gesicht. Ich bin glücklich, dass du gekommen bist, ich wüsste nicht, wie unendlich langweilig mir ohne dich wäre. Aber irgendwie schüttelt es mich. Nein, jemand rüttelt mich an der Schulter. Sageinmal schläfst du? Was? Nein! Meine Chefin ist zurückgekommen und schüttelt bloß den Kopf. Ich blicke mich um. Du bist weg. Scheiße. Die nächste Kundschaft kommt. Habts Ihr an Knoblauch? Und unbehandelte Zitronen aa?

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