Schlagwörter

, , , ,

Gestern hatte ich meinen ersten Poetry Slam. Ich muss sagen, ich bin durchaus zufrieden. Mein Bedürfnis nach Bühne, nach Aufmerksamkeit ist für das Erste befriedigt.

Der Slam hieß „Jam on Poetry“ und findet im kleinen Rahmen

im Kino des Spielbodens Dornbirn statt. Ich nutzte die Gelegenheit, und verbrachte davor noch etwas Zeit im Weihnachtsmarkt bevor ich ins Rohrbach-Gebiet schlenderte. Dort wurde ich herzlichst begrüßt, noch war ich kaum aufgeregt, ich war ruhig, mit Led Zeppelin und Tenacious D in den Ohren (ein merkwürdiger Mix, aber ich mag’s). Da ich noch etwas Zeit hatte beschäftigte ich mich anderweitig und lenkte mich ein wenig ab, denn auch wenn ich Bühnenerfahrung hatte, so war es doch mein erster Poetry Slam. Kurz vor Acht – dem Veranstaltungsbeginn – sah ich die ersten bekannten (und unbekannten) Gesichter, ich war erstaunt, wie schnell sich der ganze Saal gefüllt hatte – nun wurde ich doch etwas Aufgeregt und zitterte leicht, mein Adrenalinspiegel musste schon ein ganzen Stück gestiegen sein.

Kurz nach Acht wurde der Slam eröffnet und die Reihenfolge gezogen – ich kam als Zweite dran, worüber ich froh war, denn es gab kein Opferlamm (ein Begriff, den ich gestern lernte – ein Vortragender, der die Jury aufwärmt). Als der erste Kandidat – Jesus (nicht von Nazareth) – fertig war und bewertet wurde, wurde ich nochmals dezent nervöser und versuchte, meine Hand halbwegs ruhig zu halten. Die Moderation – Steffen und Hans – fing an, mich vorzustellen und ich stand auf, strich meine Haare zurück und strich meinen Zettel glatt, daran denkend, dass mich gleich alle Leute anstarren würden und etwas Brilliantes von mir erwarten würden.

Ich ging nach vor, und alle Aufregung verschwand wieder mit einem Mal. Ich fühlte mich wohl, wusste was zu tun war. Auf meine Fähigkeiten als Lyriker und Dramatiker vertrauend, wartete ich einen Moment, bis Ruhe eingekehrt war und begann „Der letzte Mondenschein“ vorzutragen. Ab und zu blickte ich ins Publikum und war froh, als ich kein einziges Smartphone leuchten sah und im Allgemeinen Neugierde auf den Gesichtern erfassen konnte. Als ich merkte, dass ich fertig war, faltete ich meinen Zettel, wartete wieder einen kurzen Moment und ging im Applaus ab – ein wunderbares Gefühl. Bis zu diesem Moment hatte ich vergessen, dass ich ja jetzt noch bewertet wurde. Ich reagierte nicht sofort – irgendwar war ich wie gebannt, wie zugedröhnt von der Aufmerksamkeit, die mir zuteil wurde – oder dem Adrenalin, dass durch mein Blut rauschte. Ich bekam 2 9en und 4 8ten – falls ich richtig liege. Eine 9 und eine 8 wurde gestrichen, damit bekam ich 33 Punkte. Ein guter Anfang. Ich wusste zwar, dass ich damit eher im niedrigeren Bereich liegen würde, aber ich war dennoch zufrieden, denn es ging mir nicht ums Gewinnen. Ganz und gar nicht. Ich wollte wissen, wie meine Texte auf andere Menschen wirken. Und ich war zufrieden mit der Reaktion.

Da ich die einzige Dame unter den Teilnehmenden war, kamen nach mir noch 4 Herren, die auch die ersten 4 Plätze belegten, danach kam ich in der Reihung. Es war mir wahrlich eine Freude, auch den anderen zuhören zu dürfen, denn es mangelte weder an Unterhaltung noch an Ernsthaftigkeit der präsentierten Texte.
Zum Schluss wurden wir nochmals auf der Bühne dem Publikum präsentiert und bekamen – weihnachtlich orienterierte – Geschenktüten überreicht (mein Schokoladebedarf ist nun zur Genüge erfüllt). In langen Worten wurde verabschiedet, man ging nach wieder nach Hause. Was mich überraschte, waren Einzelne, die nach dem Slam auf mich zukamen und mir bekundeten, welch Qualität in meinem Text liege – ich gestehe offen, dass hat mich sehr mit Stolz erfüllt, dafür wusste ich nicht wirklich, was ich antworten sollte. Ich führte noch ein längeres Gespräch (und stand etwa eine Stunde in der Eiseskälte einer Winternacht) und ging dann zum Bahnhof. Was ich nicht eingerechnet hatte – unter der Woche fährt der Nachtbus nicht und so durfte ich noch eine Dreiviertelstunde nach Hause laufen, sodass ich um ca. ein Uhr heute morgen zuhause war.

Für mein psychisches Ich war der Abend wahrlich herrlich.
Für mein physiches Ich war der Abend grauenhaft, da ich noch kränker, als ich eh schon bin, wurde.
Im Allgemeinen freue ich mich aber mehr mit meinem psychischen Ich.

Ich kann es nur jedem empfehlen, sich ab und zu ins Rampenlicht zu stellen – es tut gut.

Nachtrag: Ein Lehrer wusste, das ich gestern beim Jam on Pietry mitgemacht hatte und bat mich, meinen Text vor der Klasse zu präsentieren. Ich war erstaunt, dass sie alle leise waren und applaudierten und freute mich.

Advertisements