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Eigentlich ist der Begriff „Generation“ etwas zu weitgefasst, da es „nur“ einige Jahrgänge betrifft. Aber wer – über ca. 16/17 Jahren regt sich nicht über die „blöden Kinder“ auf, die nix von der Rehalitäht kapieren und sich total unerwachsen und kindisch verhalten. Ich habe kein Swag und bin auch kein Belieber, ich unterstütze auch nicht die Entschuldigung von hirnlosem Blödsinn mit Yolo und dennoch schaffe ich es – wenn ich gut gelaunt bin – Verständnis für diese Gruppe aufzubringen.

Psychologen nennen es „Self-Fullfilling Prophecy“ oder auf deutsch „Selbsterfüllende Prophezeiung“: Wenn ich mir einrede, ich werde bei der nächsten Schularbeit einen Fünfer schreibe, sind meine Chancen auf eine gute Note deutlich geringer, als wenn ich positiv oder gar nicht darüber denke. So ähnlich verhält es sich doch auch mit diesen Jugendlichen: Von allen Seiten, besonders vom Internet – dem Jungend-Medium #1 – werden sie als nutzlos und lethargisch bezeichnet, als dumm und abgestumpft. Wer hat da noch die Kraft, sich als Einzelner gegen einen riesigen Shitstorm zu wehren? Da ist es deutlich leichter und erträglicher, sich von Anfang an in das Vorurteil einzufügen und nicht versuchen, gegen die Klischees der Gesellschaft aufzubegeheren. Dazu bekommen diese Kinder von ihrem Umfeld ständig eingebleut, wie kaputt die Welt ist – alles bedarf einer Verbesserung, die Umwelt, die Politik, das Schulsystem, die Gesellschaft, Tiere und Regenwald müssen gerettet werden, Müll und Ressourcenverbrauch müssen gesenkt werden, gegen die Obrigkeiten und Kapitalisten muss aufbegehrt werden, am Besten alles gleichzeitig und sofort. Zukunft haben sie sowieso keine, die Jugendarbeitslosigkeit steigt, die Chance auf gute Pensionen sinkt. Das alles staut sich zu einem enormen Druck auf – und ganz ehrlich: Wer kann dem Standhalten? Wer würde nicht auch den Schwanz einziehen und eine Mauer um sich errichten? Und um der Heftigkeit des Leids auf der Welt zu entkommen muss die Mauer verdammt dick sein, am besten gefüllt mit Ignoranz und Blindheit. Dennoch, um nicht innerhalb der eigenen Mauern nur 80 Jahre so vor sich hin zu vegetieren, baut man sich eine eigene Welt auf. Dabei orientiert man sich wahrscheinlich auch an populären, aber fragwürdigen Idealen, die mit ihrem Weltbild ziemlich erfolgreich sind. So entstehen von Person zu Person verschieden Welten, aber einige ähnliche können sich zu verschiedenen Gruppen zusammenfassen lassen, einer dieser Gruppen sind eben die Yolo/Swag-Jugendlichen, die auch „Opfer“ einer großen Hass-Welle geworden sind, als Zielscheiben und Sündenböcke für politische und gesellschaftliche Probleme und der ungewissen Zukunft.

Fazit: Vielleicht sollte man statt (vor)verurteilen zuhören und zwischen den Zeilen lesen! Das war eigentlich in der Geschichte schon mit jeder Minderheit so, aber die Menschen tun sich anscheinend ziemlich schwer, aus den eigenen Fehlern zu lernen.

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