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Dies war nicht nur vom gesellschaftlichen Standpunkt besser, sondern auch vom praktischen. Einen beliebten Menschen traf man weniger alleine, mehreren Menschen vielen Veränderungen auf oder bemühten sich um eine Aufklärung des Falles – nicht, dass die Polizei dann dazu befähigt wäre, ihn zu schnappen, aber auf der sicheren Seite zu sein war immer besser.

Er handelte meistens aus Neugierde – wie ist es wohl zu morden? Was er verachtete, waren nach seiner Ansicht „niedere Triebe“, wie Sexualität oder Gier. Er hatte bereits einen kleineren Laden ausgeraubt, aber sicher nicht wegen des Geldes, dass er zu verschiedenen Gelegenheiten an Obdachlose weitergab – so konnte das Geld auf keiner Weise zurückverfolgt werden. Er hatte auch noch nie Vergewaltigt – es reizte ihn einfach nicht. Manchmal freute es ihn auch nur so sehr, ein Verbrechen zu planen. Das Einzige, dass ihn wirklich reizte – bis auf die Neugierde – war perfekte Verbrechen zu planen. Natürlich gab es immer wieder kleine Hacken, wie zum Beispiel die ältere Dame, die ihm nach seiner aktuellen Tat begegnet war. Sie würde ihn zwar nicht identifizieren können, seine Stimme nicht beschreiben können, sich wahrscheinlich nicht mal erinnern können, aber es war doch ein, wenn auch minimales, Risiko.

Er wusste nicht, woher diese Störung kam, aber er wusste sehr wohl, wie andere Menschen empfanden. Das, was ihm fehlte, hatte er eingehend studiert, auch wenn er niemals der Überzeugung war, dass er dadurch irgendwie eingeschränkt war oder dass dadurch seine Intelligenz leidet. Er hatte sogar einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit – aber nur im theoretischen Sinne. Er wusste, wann etwas Recht und Unrecht war, aber er nahm es nur zur Kenntnis, als einer unter vielen Faktoren für etwas Geplantes. Durch seine anderes Wesen hatte er es auch für besser gehalten, sich keine Freunde und Bekannten zu halten. Es bestand immer die Gefahr, dass sie seinen wahren Charakter kennen lernen würden – nicht dass es ihm peinlich oder unangenehm war, aber die Menschen würden ihn weder verstehen, akzeptieren noch für gut erachten. Daher war es wesentlich sicherer, alleine zu leben, was ihn nichts ausmachte, da es nicht an Unterhaltung für ihn mangelte. Er lebte eventuell auch in seiner eigenen Welt – war sich aber der realen Welt durchaus bewusst.

Seine Neugierde siegte meiste einfach über all die anderen Einwände – und zu guter Letzt würde er seine größte Neugierde befriedigen: Wie war es zu fliegen, zu sterben und was kommt danach? Er würde mit einem Ausweis und einer Botschaft, die er auf dem Rücken unter einer Jacke festmachen würde, beim Fallschirmspringen den Fallschirm von sich lösen und wegwerfen, eventuell schmerzhemmende Pillen einnehmen und so sterben. Aber noch nicht jetzt. Das würde später kommen. Noch hatte er einiges vor. Vielleicht wenn ihm langweilig wurde.

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