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Schnell. Er musste weg. Schneller. Das Messer einstecken. Nichts liegen lassen. Das Moped gestartet, aufgesessen und weggefahren. Eventuelle Blutflecke an der dunklen Kleidung waren egal. Mit jedem Zentimeter, mit dem er sich von der der Leiche entfernte, fühlte er sich besser. Freier. Ungebundener. Gesetzloser. Er konnte machen was er wollte – die Polizei würde ihn niemals erwischen. Niemals. Erst nach seinem eigenen Tod würden sie alles erfahren. Und zwar gar ALLES. Er war schließlich auch ein Mann der Wissenschaft. Diese durfte niemals vernachlässigt werden, egal, wie emotional das Handeln auch war.

Als er in seiner Wohnung angekommen war, zog er seine Schuhe aus und trug sie hinein. Drinnen ging er nur auf der sorgsam vorbereiteten Klarsichtfolie, die zur Dusche führte. Er rollte sie hinter sich mit Bedacht auf, sodass er sie nur auf der oberen Seite berührte. Es könnte ja sein, dass er noch Blut oder andere Spuren auf den Handschuhen hatte, die keinesfalls in der Wohnung bleiben durften. An der Dusche zog er sich vollständig aus, auch die Einweg-Latexhandschuhe, den falschen Bart und die Perücke, er legte alles sorgfältig auf die Klarsichtfolie und stieg in die Dusche, wo er sich ausgiebig wusch.

Er trocknete sich ab, mied die alte Kleidung und die Klarsichtfolie und zog sich neue Sachen an. Dann zog er ein neues Paar Handschuhe über seine Finger und packte sowohl die Klarsichtfolie als auch die Kleidung in eine passende Plastiktüte und steckte diese in den einen Restmüllsack, in den er seinen restlichen, normalen Müll und das zweite Paar Latexhandschuhe packte. Der Sack wurde verschlossen und in den Eingangsbereich gelegt.  Zu guter Letzt widmete er sich der Dusche und wusch den Duschkopf und den Wasserhand sorgfältig mit eigens parfümierter Bleiche. Um den immer noch bemerkenswerten Gestank zu entfernen, lüftete er seine Wohnung abschließend und stellte einen Timer auf 10 Minuten, bevor er den Müllsack wie jeden Abend des Monatsletzten nach draußen stellte, wo ihn die Müllabfuhr am nächsten Morgen in der Früh abholen würde.

Frisch gewaschen und entspannt widmete er sich seinem Netbook. Es hatte keinerlei Internetverbindung, sodass nicht einmal die NSA ihm irgendwelche Geheimnisse stehlen konnte. Die zwei USB-Sticks, die er im doppelten Boden seines kleinen Safes aufbewahrte, steckte er ein und öffnete auf dem Ersten die Word-Pad-Datei „03 Mord William Harsen im Ordner Kapitalverbrechen – er hatte nicht einmal die Standard-Office Programme installiert, aber das WordPad reichte vollkommen für seine Zwecke.

Er scrollte hinab, in der Datei war alles von Anfang an sachlich und geordnet dokumentiert – seine Ersten Überlegungen, seine Wahl des Opfers und der Tatwaffe, seine Beobachtungen, seine Verkleidungen und seine Analysen aus den Informationen, die er beschafft hatte. Es stand darin, in welchem Laden er die Maskerade gekauft hatte, wo er die Handschuhe bekommen hatte, wo und wie lang er sein Opfer und dessen Bekannten beobachtet hatte. Seine Intensionen waren einfach und logisch erklärt, die Dateien auf diesem Stick hätten jedem Psychoanalysten Freude bereitet. Das war auch der Grund, warum er diese anlegte – er maß es sich selbst nicht zu, diese umfangreichen Informationen auszuwerten, dafür war er nicht kompetent genug. Aber während seiner Lebenszeit könnte es zu erheblichen Einschränkungen seines Lebensstils führen, wenn er diese gleich weitergab. Deshalb hatte er diese Sticks.

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