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Wie lange träume ich jetzt schon vom Fliegen? Schon ewig, kommt mir vor. Ich kann den großen Tag kaum erwarten, der Tag, an dem ich siebzehn Jahre alt werde. An und für sich nichts Besonderes. Aber an meinem Geburtstag werde ich selbst, mit meiner leibhaftigen Person, die Himmelshöhen erklimmen. Meter für Meter wird mich die Maschine in den Sitz drücken und zeitgleich mit meinem Körper den davongeeilten, beflügelten Gedanken nachkommen.

Was könnte meinen Geist mehr erquicken, als die luftigen Höhen zu erklimmen? Den Traum vieler einsamen Vollmondnächte zu verwirklichen? Habe ich nicht schon so oft in einer lauen Sommernacht durch das Fenster hinausgeblickt oder in der Wiese gelegen, und mir erträumt, wie es sich anfühlen würde, in einem der vielen Flugzeuge am Himmelszelt zu sein? Was mögen die Menschen so hoch über der Erde wohl denken? Sind sie schon daran gewöhnt und vergessen die wundersame Unwirklichkeit und die fantastische Möglichkeit, die sich ihnen bietet? Bemitleiden sie die Erdlinge? Stauen sie selbst, wie Kinder, reine, unschuldige Kinder? Oder ob sie wohl einfach schlafen?

Ach, die süße Qual, die mir diese Gedanken jede Nacht bereitet. Mein Herz, das sich nach der ruhigen Einsamkeit des Himmels sehnt erwartet kaum den Tag, an dem mein  Schicksal gemacht. Und doch ist es auch die Freude, die Spannung, die sich vor dem Tag aufbaut ein Teil dessen, was mich so frohlocken lässt. Ist es nicht die einsame Nacht, der stille, kühle Mond und die entfernten Sterne, die mich in ihren Bann ziehen? Was hat der laute Tag, die heiße Sonne und Menschenmasse für mich zu bieten? Sie zwingen mich doch nur, mich zu verstellen. Die Welt sieht einen Menschen in mir, der ich doch gar nicht bin. Die helle Welt hat nur kleine Lichtblitze, die mir Hoffnung geben, die Zeit bis zur Nacht zu überstehen. So bin ich ein Wesen der Nacht? Wenngleich nicht gleichzusetzen mit diesen Wesen der Literatur. Ich ernähre mich nicht von Blut, meine Gelüste gelten der Intimität und Ruhe der Nacht. Wie paradox, dass sich mein Temperament der Ruhe widmet. Aber hier bin ich nur für mich selbst, nicht für die Welt. Die Welt kann in der Nacht nicht das zornige, leidende Tier erwecken, das in der Nacht zur Ruhe kommt und der Kreativität und der Nachdenklichkeit Platz schafft. Wie kann  das am Tage möglich sein? Nur durch die schönen Künste kann mein Geist auch am Tage in Friedlichkeit versinken.

Wie gerne würde ich auch in dem grellen Licht der Sonne ich selbst sein – aber nein! Das wäre den Leuten zu viel. Und auch die Wenigen, dessen Anwesenheit mich erfreut  würden sich von mir entfernen. Würden mich als komisch betrachten. Sie würden mich nicht verstehen. Denn mein Geist hat sich nicht und wird sich niemals der Gegenwart anpassen. Ich verabscheue die Art, die Unhöflichkeit, dieser Hedonismus dieser neuen Generationen. Sie leben für das Vergnügen. Ist das Leben nicht um das Lebens willen Wert zu leben? Mein Herz sehnt sich nach dem alten Britannien. Die Umgangsformen, ja auch der Stil und sogar die Kleidung von damals gefallen mir besser. Vielleicht versteht ja einer, dass die buddhistischen Lehren der Wiedergeburt mich so faszinieren. Wer weiß ob ich nicht aus einer anderen Zeit stamme? Und die Programmierung meiner Seele nicht vollständig gelöscht wurde? Wer weiß. So blicke ich zurück zum untergehenden Vollmond und binde mir meine Maske um. Ich wische eine Träne weg und schreite in den angehenden Morgen.

Anm.: Diesen Text habe ich vor meinem 17. Geburtstag geschrieben, also schon eine Weile her.

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