Der Fremde stach mit seinem Messer in Christas Brust. Sie schrie nicht. Sie schaute nur entsetzt auf ihre Brust und sah dem Blut zu, wie es aus ihrer Wund rann während sie die Wunde freilegte und immer schwächer wurde. Als sie zu Boden gesunken war, löste sich der geschockte Polizist aus der Starre und rief panisch nach einem Krankenwagen. Jeder im Raum wusste, dass es zu spät war. Für beide. Christa und der Fremde lagen auf dem Boden. Es war still. Alles im Raum war wie zu Eis erstarrt, nur das warme, rote Blut sickerte in eine Lache am Boden. Zusammen mit dem Blut floss auch das Leben aus den Köpern. Der Krankenwagen kam, Lichter lagen im Himmel, Menschen gingen umher. Aber davon bekam Christa nichts mehr mit. Anna wurde rausgebracht, ihr kam die Realität nahe und mit der Realität auch die Tränen. Wie auch sollte eine Zwölfjährige einen Doppelmord verkraften?

Christa war nicht lange am Leben gewesen. Ihr war es, als wäre sie weit fort entschwebt und doch konnte sie die grausame Szenerie beobachten. Sie wusste, dass ihr Körper tot war. Sie wusste auch, dass es ihr nicht bestimmt war, hier zu bleiben. Im Umdrehen bemerkte sie ein Licht vor sich. Langsam bewegte sie sich darauf zu, wohl wissend, dass es ihre Erlösung war. Nicht länger musste sie sich mit ihrem langweiligen Leben quälen. Nicht länger war sie alleine auf einer Welt, auf der niemand sie verstand. Die Schatten ihres tristen Daseins würden mit jedem Schritt zum Licht verschwinden. Umso näher sie kam, umso geborgener fühlte sie sich. Sie schloss die Augen und trat vollends ins Licht. Sie wurde erfüllt von Liebe und Wärme, sodass sie nie wieder losgelassen werden wollte. Plötzlich fühlte sie auch Arme, die um sie gelegt waren. Die Augen öffnend glaubte sie ihrem Blick nicht – ihre Mutter. Sie sahen sich schweigend an, stumm weinend. Als Mutter ihren Blick erhob, sah auch Christa sich um. Neben ihr stand ihr Vater. Freudig nahm er sie in den Arm und gemeinsam führten sie ihre Existenz glücklich bis ins Ewige.

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