Jemand hämmerte an der Tür. „Hallo? Polizei! Machen Sie bitte auf!“ Der Fremde zog das Gesicht verärgert zusammen und schritt selbstbewusst in die Küche, er ließ Christa dabei nicht aus den Augen. Sie verzeiwelfte fast. Der Typ schien zu allem bereit, wenn sie ihn verletzte, war er praktisch selber schuld. Der Polizist klopfte nochmals laut an der Tür, aber keiner kümmerte sich um ihn. Der Fremde war nicht lebensmüde und Christa und Anna saßen in der Falle. Hätte sie doch bloß ein anderes Versteck ausgesucht. Leise sagte sie mit wackelnder Stimme ins Handy „Der Typ ist da und sieht mich. Anna ist versteckt und draußen steht die Polizei. Sie können mir jetzt auch nicht mehr helfen“ und legte auf. Die Schweißperlen, die sich auf ihrer Stirn gebildet hatten, rannen langsam herab, verkrampft und zitternd hielt sie das Messer fest. Er war fast in der Küche. Er hatte sie fast. Was sollte sie tun? Hauptsache, Anna wurde nicht weiter in die Geschichte mitreingezogen. Sie verhielt sich still und er konnte sie nicht sehen. Sein erster Fuß überschritt die Schwelle zur Küche. Jetzt oder nie. Angriff ist die beste Verteidigung. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Sein Fuß wird man eh wieder reparieren können. Sie wird ihn nicht ernsthaft verletzen. In dem Moment bedauerte sie, dass sie so zierlich war und selbst bei dem gefährlichen Typen Skrupel hatte, ihnm ernsthaft weh zu tun. Also, los. Die Schuhsohle berührte den Boden, sie schrie laut ihren Angriff und stieß mit dem Messer in die Richtung, in der sie sein Bein vermutete. Aber … aber es war nicht mehr da? Verwirrt sah sie sich um. Geistesgegenwärtig hatte er sofort den Fuß wieder zurückgezogen: Eine Finte! Er war schnell und schnappte Christa an den Armen und drehte ihr die rechte Hand so um, dass sie das Messer fallenlassen musste. „So Kleines, jetzt hab ich dich. Nicht einmal die Herren Polizisten werden mir jetzt etwas tun können.“ Als ob es sein Stichwort gewesen wäre, rief ein Uniformierter „Hände nach oben, Waffen fallen lassen!“ Er hatte sich umgesehen und dabei die zerbrochene Terassentür entdeckt. „Oh, die Polizei wird doch kein Mädchen verletzen wollen“ grinste der Mann, während er sein kleines, aber scharfes Klappmesser an Christas Hals hielt. Erschrocken senkte der Polizist seine Waffe, die er im Anschlag gehabt hatte. „Sir“ sagte der Verbrecher, als ob er ganz normalen SmallTalk mit dem Polizisten führte „Sir, Sie lassen Ihre Waffe jetzt schön da, wo sie ist, am besten noch, Sie versorgen sie ganz, und lassen mich mit der Hübschen durch. Soweit verstanden?“ Man sah deutlich, dass der Herr gegenüber keine Ahnung hatte, was er machen sollte. Mit so einer Situation war er noch nie Konfrontiert gewesen. Dennoch versuchte er, stark zu bleiben. „Nein, Sie bleiben wo sie sind, und lassen das Mädchen laufen.“ „Aber mein Herr, warum sollte ich? Es wäre doch gänzlich unangenehm für mich, wenn ich mich ergeben und sie mich verhaften würden. Also nein, nein, ich werde mich nicht selbst ausliefern.“

Die Einzige, die zu wissen schien, was sie tat, war Anna. Nachdem sie angestrengt gelauscht hatte, was draußen passiert, schlich sie sich aus dem Kasten, versuchte, ja keinen Mucks zu machen, und war unbemerkt hinter den Fremden getreten. Aus vielen Krimis, die sie gelesen hatte, wusste sie, was zu tun war. „Stirb, Arschloch!“ schrie sie mit ihrer hohen Stimme und rammte das Küchenmesser in seinen Rücken. Ganz von Adrenalin zugepumpt tappte sie zurück und ihr wurde erst jetzt bewusst, was sie eben getan hatte. Der Fremde war geschockt, ebenso wie der Polizist. Langsam begann Blut seinen Pullover dunkel zu verfärben. Anna hatte ungefähr seine Leber erwischt, auch wenn sie nicht genau wusste, wo sie ihn treffen sollte. Er knurrte leise vor sich hin und hielt Christa das Messer noch fester an die Kehle, erste Bluttropfen rannen ihren Hals hinab. „Wenn ich schon gehen soll, dann gehe ich nicht alleine“ ließ er noch leise von sich verlauten …

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