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Ich bin wahrscheinlich irgendwie (leicht) psychisch gestört. Nicht so sehr, dass ich in die „Klapse“ müsste, aber genug, damit ich selber es bemerke und meine Wirkung auf mein soziales Umfeld dementsprechend beeinflussen kann, um eventuelle Dissonanzen zu verhindern. Was mein Problem ist? Nun ja, Problem habe ich eigentlich keines damit, aber ich größtenteils unfähig, soziale Bindungen einzugehen. Nicht einmal zu meiner Familie, wobei – zu meiner Familie vielleicht schon, aber nur geringfügig und nicht wirklich basierend auf Emotionen, soll heißen, ich schätze den Humor und Gespräche (=Blödeleien) meines Papas und ich bewundere den Einsatz im ehrenamtlichen Bereich meiner Mama. Was meine Geschwister betrifft – es ist schwer, da ich nicht in die ordinäre westliche Gesellschaft passe und andere Prinzipien habe. Mein kleiner Bruder versucht mich bzw. meine Selbstsicherheit und Unabhängigkeit zu kopieren und lebt praktisch in diversen Fantasy-MMORPG Welten am PC, meine kleine Schwester ist eine konventionelle 13jährige – Rosa, Bravo, möglichst viele „Freunde“. Inzwischen habe ich es wenigstens geschafft, sie in einer Weise zu akzeptieren und vor allem ihre anderen Weltsichten und Ideale zu tolerieren. (Ich habe meine Schwester aufgehört zu beleidigen, weil es ihr einerlei ist, ob sie den Erlkönig wie ein Gedicht nach Reim und Metrum aufsagt oder wie ein epischer Text runterspricht). Mit der Zeit habe ich es auch fertig gebracht, mein Umfeld zu täuschen und auf Basis meiner Erfahrungen aus Literatur und Filmen, was „normal“ ist, und ihnen nicht vorhandene Gefühle vortäuschen.

Für mich ist es nicht weiter schlimm, da ich sowieso meiner angeborenen Neugierde folge und gerne lerne, auch in meiner Freizeit beschäftige ich mich mit verschiedenen Studien bzw. charakterbildenden und vergnüglichen Tätigkeiten (Theater, Musik, Karate, …). Daher habe ich auch keine Zeit für einen Freund. Ich muss betonen, dass ich zu sozialen Kontakten zwar fähig bin, aber nicht zu eingehenden Bindungen. Vielleicht mache ich auch mehr Drama daraus, als es ist – laut Medien geht es ja auch vielen Jungs so, nur nicht in diesem Ausmaße. Wie auch immer, es gibt durchaus junge Herren, die mein Interesse wecken und ich fühle auch jedes Mal Enttäuschung, wenn er mir nicht zurückschreibt – aber ein Beziehung? Nein, eher nicht. Ich habe keine Zeit, und würde wahrscheinlich auch keine gute Freundin sein. Aber die Vorstellung oder das Schwärmen bereitet mir doch sehr große Freude. Ich male mir durchaus einige Szenen aus, die aber Träume sind und Träume bleiben.

Bis vor Kurzem hatte ich sogar einen Freund, den ich aber im letzten Monat kaum mehr gesehen habe, obwohl er ca. 10 Minuten mit dem Rad entfernt wohnt. Es passte einfach nicht, insbesondere, weil die Beziehung ihren Anfang in einer Disco in betrunkenem Zustand begann. Es war eine Frage der Zeit, bis es einer beenden würde. Über den Sommer, war es eine nette Vorstellung, jemanden an meiner Seite zu haben, der mich tatsächlich liebt, und den auch ich lieben kann, aber es war eben nur eine Illusion. Er liebte nicht mich, sondern die Vorstellung eine Freundin (als sozialer Status) zu haben und ich machte mir vor, über meine „Störung“ hinweg zu sein. Ein zusätzlicher Fehler war es, ihn nicht besonders gut zu kennen. Auch wenn es vielleicht allgemein und abwertend klingt, er war der Zweitgeborene. Ebenso wie mein kleiner Bruder versuchte er, seinen großen Bruder zu imitieren – der übrigens durchaus mein Interesse geweckt hat, aber eher als Freund, nicht mehr, da seine Anwesenheit aufgrund seines Intellekts und Charmes sehr angenehm war, allerdings hat er auch Seiten, die mein Bild von ihm minderten und zusätzlich hat er seit vielen Jahren eine Freundin.

Dann gibt es noch einen Freund, den ich aufgrund seiner Tätigkeiten sehr bewundere, er ist – ebenso wie ich – großer Freund von Politik und Literatur und kann mit ihm die angenehmsten Gespräche und Diskussionen führen. Auch als ich ihm in volltrunkenem Zustand schrieb, war das Gespräch weder peinlich noch unangenehm und sogar ganz interessant. Ein weiteren ähnlichen jungen Herrn, mit dem ich ehrlich gerne mehr Kontakt hätte, kenne ich eigentlich schon seit meiner Kindheit, leider haben wir uns irgendwann verloren. Er ist, bis auf seine Gewohnheit zu Rauchen, meine Vorstellung von einem ehrenwerten jungen Mann, weshalb ich ihn nur noch höher schätze.

Abschließend muss ich noch sagen, es gibt Phasen, da spüre ich diese Abnormität mehr oder weniger. Von Zeit zu Zeit bin ich sogar fast zur Gänze „Normal“ – besonders wenn ich müde bin und mein Geistesfähigkeiten (mein Gehirn) noch nicht voll eingeschaltet sind.

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